Politik

Kaninchenwerder wird hinter verschlossenen Türen vergeben: 27 Bewerber, null Transparenz

Schwerin hat für Kaninchenwerder einen neuen Betreiber gefunden. Wie genau dieser unter 27 Bewerbungen gewonnen hat, soll die Öffentlichkeit allerdings nicht erfahren. Die Stadt verweigert die Punktzahlen der Auswahl, politische Gremien durften nicht mitentscheiden und der neue Betreiber nutzt die Insel 2026 pachtfrei. Das Verfahren klingt damit weniger nach touristischem Neustart als nach einem Escape-Room der Verwaltung: Alle wissen, dass eine Entscheidung gefallen ist, aber niemand soll herausfinden, wie.

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Ausgangspunkt ist eine Anfrage des Stadtvertreters Heiko Steinmüller an Oberbürgermeister Sebastian Ehlers. Steinmüller wollte wissen, welche Gesamt- und Einzelpunktzahlen die erfolgreichen Konzepte erhalten hatten. Die Antwort aus dem Stadthaus: Bewertungsmatrix und Punktevergabe seien ausschließlich für die verwaltungsinterne Vorbereitung bestimmt. Transparenz endet in Schwerin offenbar dort, wo sie interessant werden könnte.

„Die Bewertungsmatrix und die Punktvergabe der Jury dienten ausschließlich der verwaltungsinternen Vorbereitung.“

Antwort der Schweriner Stadtverwaltung, wiedergegeben von schwerin.news

Die Politik blieb draußen, weil die Wertgrenze drinnen blieb

Auch der Hauptausschuss wurde nicht beteiligt. Nach Darstellung der Verwaltung seien die Wertgrenzen der Hauptsatzung für Miet- und Pachtverhältnisse nicht erreicht worden. Formal mag das sauber sein. Politisch bleibt es ein Kunststück: Ein touristisch wichtiges städtisches Ausflugsziel wird vergeben, die Stadt steckt rund 700.000 Euro in Dach und Veranda, aber die gewählten Vertreter haben angeblich nichts zu entscheiden. Demokratie ist hier offenbar eine Frage des Rechnungsbetrags.

Entschieden habe eine interne Jury mit Vertretern des Zentralen Gebäudemanagements, des Umweltfachdienstes, des Tourismusbereichs und des Eigenbetriebs SDS. Den Zuschlag erhielt die Garage 7 UG unter Geschäftsführer Daniel Schmidt. Das Unternehmen wurde laut Bericht im Herbst 2023 gegründet. Entscheidend wäre nun zu wissen, warum dieses Konzept besser bewertet wurde als die übrigen. Genau diese Information bleibt unter Verschluss.

Pachtfrei starten, punktfrei erklären

Für die Saison 2026 gilt zunächst eine befristete Vereinbarung. Bis ein umfassender Hauptpachtvertrag geschlossen ist, darf der neue Betreiber die Flächen pachtzinsfrei nutzen. Als Gegenleistung übernimmt er unter anderem Wegepflege, Toilettenreinigung und Hafenüberwachung. Außerdem sind gastronomische Angebote, temporäre Untervermietungen, Lagerflächen im Hauptgebäude und eine Nutzung des Hafens für motorlose Hausboote in der Nebensaison vorgesehen.

Die Pachtfreiheit kann angesichts des sanierungsbedürftigen Hauptgebäudes und der eingeschränkten Gastronomie pragmatisch sein. Das Problem ist nicht automatisch der Rabatt. Das Problem ist die Kombination aus städtischen Investitionen, Sonderkonditionen und einer Auswahlentscheidung, deren Bewertung niemand sehen darf. Wer öffentliches Eigentum vergibt, sollte mehr liefern als den Hinweis, die Akte sei intern und die Wertgrenze habe alles geregelt.

Ein Neustart mit eingebautem Misstrauen

Der vorherige Streit mit dem Altpächter wurde erst im Januar 2026 durch einen gerichtlichen Vergleich beendet. Danach hätte die Stadt die Chance gehabt, den Neustart demonstrativ offen zu organisieren. Stattdessen entsteht nun der Eindruck, dass 27 Konzepte eingesammelt wurden, eine interne Runde entschied und die Öffentlichkeit am Ende nur das Ergebnis sehen darf. So baut man auf einer Insel vielleicht Gastronomie auf, Vertrauen aber eher ab.

Niemand behauptet damit, die Garage 7 UG sei fachlich ungeeignet. Genau darum geht es: Weil die Bewertung geheim bleibt, lässt sich die Entscheidung weder bestätigen noch sinnvoll kritisieren. Die Stadt schützt ihr Verfahren vor Nachfragen und produziert dadurch erst die Zweifel, die sie anschließend vermutlich für überzogen erklären wird. Schwerin kann also beruhigt sein: Selbst wenn auf Kaninchenwerder noch nicht alles läuft, die Nebelmaschine im Stadthaus funktioniert bereits hervorragend.

Foto: IslandHopper X / Pexels

Quelle: schwerin.news

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