Mecklenburg-Vorpommern sucht Unternehmer, Fachkräfte und Menschen, die auch jenseits der 60 noch nicht vollständig in eine Kurkarte übergegangen sind. Horst Foese erfüllte all diese Anforderungen gleichzeitig. Der 83-Jährige betrieb 35 Jahre lang zwei Bootsverleihe, handelte mit Booten in ganz Europa und brachte Kunden bis an die Müritz. Dann stellte das Finanzamt die Frage, die nur eine deutsche Behörde stellen kann: Arbeitet der Mann wirklich noch – oder ist das alles bloß Hobby?
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Foese reagierte auf diese Form staatlicher Existenzprüfung nicht mit einem weiteren Formular, sondern mit der Gewerbeabmeldung. Seine Bootsverleihe in Banzkow und Gustävel bei Brüel werden aufgegeben. Nach 35 Jahren endet damit ein Betrieb, weil ein 83-Jähriger offenbar noch nicht überzeugend genug bewiesen hatte, dass jahrzehntelange Arbeit tatsächlich Arbeit ist. Der deutsche Mittelstand scheitert nicht immer am Weltmarkt. Manchmal reicht eine Nachfrage.
„Eine Nachfrage des Finanzamtes hat mich so wütend gemacht, dass ich nun mein Gewerbe abmelde.“
Horst Foese gegenüber dem Nordkurier
35 Jahre Gewerbe, Verdacht auf Freizeit
Der Nordkurier berichtet, dass Foese Menschen aufs Wasser brachte, Ausrüstung bereitstellte, Boote importierte und exportierte und ein europaweites Netzwerk aufbaute. Er kaufte bei Herstellern in Frankreich, Schweden, Finnland, Italien und Tschechien. Fremdsprachen löste er mit Wörterbuch und Beharrlichkeit. Die deutsche Verwaltung löste ihn schließlich mit einem Fragezeichen.
Dabei war Foese kein Mann, der zufällig ein paar Kanus hinter der Scheune stapelte. Er hatte Binnenschifffahrt gelernt und auf diesem Gebiet studiert. Als nach der politischen Wende sein Arbeitsplatz verschwand, kaufte er von seiner Abfindung zwei Wassergrundstücke und machte sich selbstständig. Er wollte sich nicht zum Bäcker oder Fleischer umschulen lassen. Aus heutiger Sicht war das sein Fehler: Wer einen Betrieb gründet, muss Jahrzehnte später womöglich nachweisen, dass er ihn nicht nur aus übertriebener Freude an Steuererklärungen betreibt.
Das Amt prüft, bis nichts mehr übrig ist
Die konkrete Nachfrage mag steuerrechtlich einen Hintergrund gehabt haben. Doch ihre Wirkung ist bemerkenswert: Ein Mann, der nach eigener Aussage nie Arbeitslosengeld oder andere staatliche Unterstützung brauchte, fühlt sich nach 35 Jahren Unternehmertum derart verhöhnt, dass er aufhört. Genau so entsteht Standortpolitik in Mecklenburg-Vorpommern: Erst beklagt man fehlende Selbstständige, dann fragt man die verbliebenen, ob ihre Selbstständigkeit vielleicht nur Freizeit mit Rechnungsnummer ist.
Foese hatte schon früher Behördenkontakt mit Unterhaltungswert. Für eine fensterlose Scheune auf einem Wassergrundstück sollte er Zweitwohnsteuer zahlen. Er fragte, ob das Amt von Vorfahren aus dem 13. Jahrhundert ausgehe, die mit dem Vieh unter einem Dach lebten. Die Forderung verschwand. Es ist eine hübsche Lektion über deutsche Bürokratie: Ein Gebäude braucht weder Fenster noch Zwischendecke, um als Wohnung zu gelten. Ein Unternehmer braucht dagegen offenbar 35 Jahre Belege, um als Unternehmer durchzugehen.
Die ersten Boote sind bereits verkauft, auch die Wassergrundstücke sollen neue Besitzer finden. Klassischen Ruhestand plant Foese trotzdem nicht. Er müsse schauen, was er als Nächstes anstelle, sagte er dem Nordkurier. Ausruhen wolle er auf keinen Fall. Mecklenburg-Vorpommern verliert damit keinen müden Rentner, sondern einen aktiven Unternehmer. Das Finanzamt bekommt im Gegenzug endgültige Gewissheit: Jetzt arbeitet er dort wirklich nicht mehr.
Foto: Anh Nguyen / Pexels
Quelle: Nordkurier
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