Schwerin und der Neuanfang, das ist inzwischen eine feste Beziehung. Sobald etwas nicht so läuft wie geplant, wird nicht gescheitert, sondern neu gestartet. Jetzt ist die SG Dynamo Schwerin dran. Nach dem Abstieg aus der Oberliga bekommt der Verein einen neuen Trainer, einen veränderten Kader und wieder einmal Hoffnung. Anders als bei manchen Projekten in der Landeshauptstadt gibt es beim Fußball immerhin eine Tabelle, die den Erfolg später unbestechlich ausweist.
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Philip Sibrins übernimmt die Mannschaft zur neuen Saison. Der 34-jährige Rostocker spielte selbst unter anderem für den FC Mecklenburg Schwerin und den FC Anker Wismar. Zuletzt trainierte er die B-Jugend des SV Hafen Rostock. Dynamo ist nun seine erste Station als Cheftrainer im Männerbereich. Das ist mutig, aber wenigstens ehrlich. In Schwerin werden sonst gern Menschen mit jahrzehntelanger Erfahrung präsentiert, bevor trotzdem alles noch einmal von vorn beginnt.
„Wir wollen als Mannschaft schnell zusammenwachsen und eine klare gemeinsame Linie entwickeln.“
Philip Sibrins im Gespräch mit dem Nordkurier
Ein Trainer ohne Tabellenmärchen
Sibrins kennt die Verbandsliga und spricht über klare Kommunikation, Vertrauen, Fitness und konsequente Trainingsarbeit. Was er auffällig nicht tut: den sofortigen Wiederaufstieg versprechen. Dynamo wolle eine gute Rolle spielen, sagt er sinngemäß. Was am Ende herauskomme, werde sich im Laufe der Saison zeigen. Das klingt fast irritierend vernünftig. Kein Fünfjahresplan, kein Hochglanzkonzept, kein Satz mit „alternativlos“. Einfach trainieren, spielen und nach 90 Minuten nachsehen, ob es gereicht hat.
Der Verein muss sich nach dem Abstieg neu sortieren. Im Kader soll es Veränderungen geben, Einzelheiten will Dynamo zu gegebener Zeit bekannt geben. Verlängert haben laut Nordkurier unter anderem Jannes Wienke, Augustin Sixtus, Marvin Runge, Bohdan Kostik, Nicklas Klingberg, Taras Khlan und Randy Dei. Neu dabei sind Torwart Justin Borchardt von Einheit Grevesmühlen und der schwedische Innenverteidiger Noah Kudic vom IF Vardar. Das ist noch keine Transferoffensive. Aber es ist immerhin mehr Substanz als das übliche Schweriner „Wir sind in guten Gesprächen“.
Der Vorgänger geht nach Rostock, der Neustart bleibt in Lankow
Jano Klempkow, der Dynamo über Jahre geprägt hat, übernimmt die U23 des F. C. Hansa Rostock. Damit geht Erfahrung nach Rostock, während in Lankow ein Trainer beginnt, der die Mannschaft schon als Spieler kannte. Sibrins kennt außerdem Teammanager Frank Ridder seit seiner aktiven Zeit. Der Kontakt war also nicht das Ergebnis einer bundesweiten Beraterlotterie, sondern einer langjährigen Verbindung. Im regionalen Fußball ist das vermutlich die stabilste Form von Infrastruktur.
Die ersten Testspiele stehen ebenfalls fest: am 24. Juli beim SV Wittenbeck und einen Tag später gegen den SV Preußen 09 Reinfeld. Dann wird sichtbar, wie viel vom angekündigten Zusammenhalt bereits auf dem Platz angekommen ist. Bis dahin darf Dynamo umbauen, trainieren und die große Frage offenlassen: Geht es direkt wieder nach oben oder wird aus dem Neuanfang erst einmal ein längerer Aufenthalt?
Für Schwerin wäre schon viel gewonnen, wenn der Umbau sportlich und menschlich funktioniert. Der neue Trainer verspricht keine Wunder. Das ist vielleicht die beste Nachricht. In einer Stadt, in der „Neuanfang“ oft nur ein freundlicheres Wort für die nächste Runde ist, könnte Dynamo tatsächlich zeigen, wie es richtig geht: Fehler anerkennen, Mannschaft bauen, weitermachen. Ganz ohne Machbarkeitsstudie.
Foto: Paulshöhe / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: Nordkurier
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