Politik

Carsharing in Schwerin: Stadt bleibt untätig und verweist auf private Anbieter und das Wetter

Wer in Schwerin ein Auto leihen will, hat Pech – zumindest wenn er auf die Stadtverwaltung zählt. Auf eine Bürgerfrage in der Stadtvertretung am 29. Juni 2026 hat der Erste Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Bernd Nottebaum, klargestellt: Die Stadt plant kein eigenes flächendeckendes Carsharing-Angebot. Punkt.

Die Begründung liest sich wie das Drehbuch eines Schweriner Verwaltungs-Klassikers: Man wolle Rahmenbedingungen schaffen – reservierte Stellplätze, Sondernutzungsregelungen – aber ein eigener kommunaler Betrieb oder eine Beteiligung daran? Nicht vorgesehen. Stattdessen verweist die Verwaltung auf private und bundesweit agierende Anbieter wie „gkt mobil“ oder den Deutsche-Bahn-Dienst „Flinkster“.

Zwei Prozent – und trotzdem keine Stadt-Aufgabe

Nach Angaben der Stadt nutzen laut der Studie „Mobilität in Städten“ rund zwei Prozent der Schweriner Bevölkerung regelmäßig Carsharing. Klingt wenig – aber bei knapp 96.000 Einwohnern sind das immerhin rund 2.000 Menschen. Genug für ein eigenes Angebot? Nicht in Schwerin. Die Verwaltung sieht den „entscheidenden Hebel“ für Klimaschutz ohnehin im Umweltverbund – also Bus, Bahn, Rad- und Fußverkehr.

Bis 2028 soll dieser Umweltverbund 66 Prozent am Modal Split erreichen. Was das mit Carsharing zu tun hat? Offenbar alles, denn wer Carsharing fordert, bekommt in Schwerin einen ÖPNV-Vortrag.

Wir machen nichts beim Carsharing, weil wir alles beim Umweltverbund machen. Irgendwann. Bis 2028. Wahrscheinlich.

E-Mobilität ohne Carsharing – geht das überhaupt?

Auch beim Thema E-Mobilität setzt Schwerin auf Entkopplung: Die Unterstützung privater Anbieter von E-Ladestationen erfolge unabhängig davon, ob die Fahrzeuge geteilt oder privat genutzt würden. Heißt im Klartext: Ladestationen ja, aber bitte nicht mit einem kommunalen Konzept verbinden, das den Namen verdient.

Die Schweriner Strategie bleibt damit so unbeweglich wie ein stehender Carsharing-Wagen: Man verweist auf den Markt, auf private Initiative und auf das Wetter – und gibt gleichzeitig das Ziel aus, bis 2028 klimafreundlicher unterwegs zu sein. Wer in Schwerin ein Auto teilen will, muss sich also entweder bei „gkt mobil“ anmelden oder weiter auf den Bus warten. Der kommt übrigens auch nicht immer.

Foto: Ralf Roletschek / Wikimedia Commons / GFDL-1.2

Quelle: schwerin.news

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