Willkommen in Schwerin, liebe Leserinnen und Leser. Unser Bundestag, jenes ehrenwerte Gremium in Berlin, das normalerweise damit beschäftigt ist, Gesetze zu verabschieden, die kein Mensch versteht, schickt sich nun an, seine Arbeit noch einmal zu erklären. Und zwar ausgerechnet hier. In Schwerin.
Vom 23. bis 27. Juli rollt das Infomobil des Deutschen Bundestages auf den Marktplatz unserer geliebten Landeshauptstadt. Siebzehn Meter lang. Sechsundzwanzig Tonnen schwer. Damit man es auch ja nicht übersieht, falls man zwischen Schloss, Marstall und Schleiferei mal kurz auf die Straße schaut und sich wundert, warum der Boulevard der Landesregierung plötzlich wie ein Dorffest aussieht.
Die Sommertour macht in Schwerin Station
Fünf Tage lang parkt der Promotion-Truck mitten in der Stadt. Donnerstag, 11 bis 19 Uhr. Freitag bis Sonntag, jeweils 10 bis 19 Uhr. Am Montag dann noch einmal 10 bis 14 Uhr, damit auch die Frühaufsteher unter den politisch Interessierten einen Termin bekommen. Ziel der bundesweiten Tour: innerhalb von zwei Wahlperioden alle 299 Wahlkreise besuchen. Man kann sich das vorstellen wie einen Zirkus, nur dass hier nicht geturnt wird, sondern erklärt, wie ein Redepult funktioniert.
Im Inneren wartet ein virtueller Rundgang durch das Bundestagsgebäude, eine Fotowand mit nachgebildetem Redepult und ein Glücksrad mit kleinen Gewinnen. Mitarbeiter beantworten Fragen, führen moderierte Diskussionsrunden und zeigen Filme. Sogar ein Lift ist an Bord, damit der Bundestag auch für jene erlebbar wird, denen Treppen ein politisches Hindernis sind. Es ist im Grunde jene Form von politischer Bildung, die der Föderalismus verdient hätte: mobil, barrierearm, mit Spielshow-Charakter.
Willkommen auf dem Marktplatz. Hier können Sie den Deutschen Bundestag hautnah erleben. Fragen Sie uns alles, was Sie schon immer über Ihre Volksvertretung wissen wollten.
Warum ausgerechnet Schwerin?
Das ist die Frage, die sich aufdrängt. Schwerin ist Landeshauptstadt. Hier sitzt die Regierung. Hier sitzt der Landtag. Wer es bis hierher geschafft hat, sollte eigentlich wissen, was eine Wahlperiode ist. Tut aber nicht jeder. Also kommt der Bundestag vorbei, mit einem Siebzehn-Meter-Aufklärungsgerät. Wir freuen uns drauf. Also irgendwie. Es ist halt so ein bisschen wie Nachhilfe, nur dass sie auf dem Marktplatz stattfindet und das Glücksrad am Ende steht.
Klingt machbar, oder? Falsch gedacht. Wer in Berlin arbeitet, weiß: Wenn der Bundestag mit einem Siebzehn-Meter-Truck anrückt, kommt vorher eine Pressemitteilung. Eine offizielle Einladung. Mindestens ein halbes Dutzend Sicherheitsleute in schlechten Anzügen, die so tun, als würden sie niemanden kennen. Und mittendrin das schweriner Publikum, das ehrlich gesagt lieber in der Schlange vor dem Eiswagen steht, als sich über die Arbeitsweise des Parlaments zu informieren.
Verborgene Agenda
Es gibt natürlich jene, die der Sache misstrauen. Werbung für Demokratie, sagen die einen, ist in Ordnung. Andere fragen sich: Wenn die Wahlbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren gegen null tendiert und der Bundestag trotzdem mit einem Siebzehn-Meter-Lastwagen anrückt, was sagt das über die Republik aus? Antwort: Dass sie noch einmal von vorn anfängt, mit Treppenlift und Glücksrad. In Schwerin. Auf dem Marktplatz. Fünf Tage lang.
Eins ist jedenfalls sicher: Wer zwischen 23. und 27. Juli nichts vorhat, kann vorbeikommen. Fragen stellen. Sich das Redepult anschauen. Am Glücksrad drehen. Und im besten Fall mit dem Wissen nach Hause gehen, wie der Deutsche Bundestag eigentlich arbeitet. Oder zumindest mit einem kleinen Gewinn.
Schwerin ist Hauptstadt, aber manchmal braucht die Hauptstadt Nachhilfe. Sechsundzwanzig Tonnen Demokratie schaffen Abhilfe.
Foto: Dolores / Pexels
Quelle: schwerin.news
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