Das BSW hat am Sonnabend auf dem Schweriner Marktplatz die heiße Phase des Landtagswahlkampfs eröffnet. Das Motto der bundesweiten Abschlusskundgebung: „Unsere WM 2026: Weg mit Merz!“ Rund 300 Menschen kamen laut Polizei, Zwischenfälle gab es keine. Für eine Partei, die am 20. September in den Landtag einziehen will, ist das ein Start mit überschaubarem Gedränge und maximaler Lautstärke.
Auf der Bühne standen die MV-Spitzenkandidaten Sabine Firnhaber und Peter Schabbel sowie BSW-Vorsitzende Amira Mohamed Ali. Sie zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz symbolisch die rote Karte. Schwerin kann politische Farbenspiele. Rot für Merz, Violett für das BSW und blassgrau für die Frage, ob es im September überhaupt für den Landtag reicht.
Gräben schließen mit „Weg mit“
Mohamed Ali forderte Abrüstung und Diplomatie statt zusätzlicher Waffen. Außerdem verlangte sie eine Vermögenssteuer und wieder günstiges russisches Erdgas. Schabbel versprach derweil Interessenausgleich und Konsens. Das BSW wolle die Gräben in der Gesellschaft schließen. Als Werkzeug dafür dient eine Kampagne, die schon im Namen mit „Weg mit“ beginnt. Politische Feinmotorik, jetzt auch auf dem Schweriner Marktplatz.
Erst „Weg mit Merz“ rufen, dann die gesellschaftlichen Gräben schließen: In Schwerin wird sogar der Widerspruch als Wahlkampfhelfer eingestellt.
Die Spitzenkandidatin Firnhaber erklärte, ihre Partei stelle wirtschaftliche Vernunft vor Ideologie und werde keine Koalition eingehen, nur um zu regieren. Das ist ein bemerkenswert fester Standpunkt für eine Partei, die zunächst klären muss, ob sie überhaupt in die Nähe eines Koalitionstisches kommt. Haltung kostet nichts. Fünf Prozent dagegen müssen gewählt werden.
Schrödingers Bündnis
Genau dort wird es ungemütlich. Eine INSA-Umfrage im Auftrag des Nordkurier sah das BSW Ende Juni bei sechs Prozent. Die jüngste Infratest-dimap-Befragung für den NDR sah die Partei dagegen unter der Fünf-Prozent-Hürde. Das BSW ist damit gleichzeitig drin und draußen, bis am 20. September jemand die Wahlurne öffnet. Schrödingers Bündnis, nur mit roten Karten.
Die 300 Teilnehmer auf dem Markt reichen für ein ordentliches Gruppenfoto, aber noch nicht für eine belastbare Machtdemonstration. Zum Vergleich: Auf dem Schweriner Marktplatz standen schon mehr Menschen für Stadtfeste, Sporterfolge und Dinge, bei denen niemand anschließend eine Vermögenssteuer erklären musste. Das BSW nennt den Auftakt trotzdem „heiße Phase“. In Schwerin gilt offenbar bereits jede politische Veranstaltung ohne Nieselregen als heiß.
Bis zur Wahl bleiben gut zwei Monate. In dieser Zeit will das Bündnis Merz abräumen, billiges Erdgas zurückholen, Vermögen besteuern, Frieden stiften, Gräben schließen und nebenbei die eigene Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Wer so viele Baustellen gleichzeitig eröffnet, ist in Schwerin grundsätzlich richtig. Hier weiß man schließlich, wie man große Ankündigungen macht und später prüft, ob irgendwo noch ein Weg frei ist.
Der Wahlkampfauftakt zeigt vor allem, wie klein der Abstand zwischen Angriff und Absturz geworden ist. Wer bei sechs Prozent liegt, darf von Einzug sprechen. Wer in der nächsten Umfrage unter fünf fällt, darf schon die Stühle für die nächste außerparlamentarische Strategiekonferenz zählen. Dazwischen liegen keine Welten, sondern ein paar tausend Kreuze und sehr viel Selbstbewusstsein.
Am Ende könnte die rote Karte deshalb in beide Richtungen zeigen. Das BSW ruft „Weg mit Merz“. Die Umfragen antworten bislang: Mal sehen, wer zuerst weg ist.
Foto: Superbass / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: Nordkurier
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