Manchmal erreicht einen die Realität schneller als jeder Satiriker schreiben kann. Diese Woche: ein Buckelwal, eine Pressekonferenz in Hamburg, DNA-Proben, der Name Tönnies – und ein Schweriner Minister, der sich genötigt sieht, Stellung zu nehmen. Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern.
Was war passiert? Frau Dr. Tönnies hat in Hamburg vor die Presse getreten und Aussagen zu angeblichen DNA-Untersuchungen an einem Buckelwal präsentiert. Woher die Proben stammen, was genau untersucht wurde und welche Schlüsse daraus gezogen werden – alles offen. Das Schweriner Umweltministerium war zu der Pressekonferenz nicht eingeladen. Was Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus allerdings nicht davon abhielt, trotzdem eine Stellungnahme rauszuhauen.
Wenn der Wal zum Politikum wird
Die Angelegenheit hat alles, was eine ordentlichePolitposse in MV braucht: ein verschwommenes Presseecho, einen halbgaren Auftritt in der Hansestadt, ein Ministerium, das sich übergangen fühlt, und einen Toten, der eigentlich ein lebendiges Meeressäugetier ist. Dazu der Name Tönnies – der drängt sich in diesem Landstrich geradezu auf, aus naheliegenden Gründen. Es ist, als hätte das politisch-mediale Universum beschlossen, den schlechten Witz mit aller Gewalt durchzudrücken.
„Das Ministerium nimmt zu den heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Hamburg vorgestellten Aussagen zu angeblichen DNA-Untersuchungen des Buckelwals Stellung. Zu dieser Pressekonferenz wurde das Ministerium weder eingeladen noch beteiligt.“
Das ist die offizielle Lesart. Übersetzt: „Wir durften nicht mitreden, also reden wir jetzt trotzdem.“ Ein patentes Muster aus dem Handbuch der Verwaltungskommunikation. Wenn die Kameras woanders laufen, muss man eben selbst eine Stellungnahme schreiben – Hauptsache, das eigene Logo erscheint im Abspann.
DNA, Wale und die Schwerkraft der Nahrungskette
Was bleibt? Ein rätselhafter Wal, eine rätselhafte Untersuchung, ein Minister, der sich rätselhaft aufregt. Und eine Öffentlichkeit, die sich zu Recht fragt: Wenn ein Ministerium zu einer Pressekonferenz über Wal-DNA nicht eingeladen wird – ist das ein Skandal? Oder eher ein Zeichen dafür, dass die Einladungsliste in Hamburg einfach gesunden Menschenverstand zeigte?
Wahrscheinlich Letzteres. Backhaus bleibt indes Backhaus – und der Wal schwimmt, wo er will. Möge das Ministerium seinen Frieden finden. Wir warten derweil auf die nächste Pressekonferenz, die keiner bestellt hat.
Foto: Oliver Tsappis / Unsplash
Quelle: Regierung MV
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