Gesellschaft

Alkoholverbot am Bahnhof: Schwerins Ordnungsdezernent bejubelt die Bahn und bedauert sich selbst

Willkommen in Schwerin. Einer Stadt, die so gerne einmal ordentlich wäre und sich dann doch wieder selbst im Weg steht.

Die Deutsche Bahn hat jetzt angekündigt, bis zum 15. Oktober 2026 bundesweit an 5.400 Bahnhöfen ein Alkoholverbot durchzusetzen. Ausnahmen gibt es für die Gastronomie, alkoholfreies Bier bleibt erlaubt, und wer seinen Schnaps verschlossen im Gepäck mitführt, hat ebenfalls nichts zu befürchten. Wer gegen das Verbot verstößt, bekommt einen Platzverweis, im Wiederholungsfall ein Hausverbot. So weit, so vernünftig.

In Schwerin sorgt diese Nachricht für geradezu überschwängliche Zustimmung. Ordnungsdezernent Silvio Horn sprach gegenüber unserer Redaktion von einem ausdrücklich begrüßten Schritt, den die Bahn im Rahmen ihres Hausrechts gehe. Man könne nur wünschen, dass ähnliche Regeln auch am Marienplatz gelten würden.

Der Marienplatz bleibt Problemfall

Genau dort wird das Glas dann auch schon wieder geleert, denn am Marienplatz darf die Stadtverwaltung Schwerins nichts tun. Im Herbst 2025 hatte die Stadtvertretung die Verwaltung beauftragt, ein Alkoholverbot für den Bereich zu prüfen. Ein eingeholtes Rechtsgutachten kam jedoch zu dem Ergebnis: rechtlich nicht umsetzbar. Die Pläne verschwanden daraufhin in der Schublade.

Leider können wir als Stadt im öffentlichen Raum ein Alkoholverbot nicht ohne weiteres anordnen, obwohl klar ist, dass beispielsweise am Marienplatz aufgrund des Konsums alkoholischer Getränke zahlreiche Ordnungswidrigkeiten und Straftaten begangen werden.

Silvio Horn, Ordnungsdezernent in Schwerin

Im Klartext: Schwerin darf am Marienplatz nicht das tun, was die Bahn an ihren eigenen Bahnhöfen tun darf. Während die Bahn ihr Hausrecht durchsetzt, bleiben dem Rathaus die Hände gebunden. Horn bedauert das öffentlich, ohne dass sich an der Situation kurzfristig etwas ändern dürfte.

24 Kameras, eine Polizeistation, ein Problem

Dass am Marienplatz tatsächlich ein Sicherheitsproblem besteht, ist in der Schweriner Innenstadt keine neue Erkenntnis. Der Platz ist als Verkehrsknoten- und Kriminalitätsschwerpunkt der einzige Ort in der Stadt, an dem ein festes System aus 24 Kameras die Polizei bei der Videoüberwachung unterstützt. Ende Mai hat die Polizei dort eine feste Station in einem Einkaufscenter eröffnet, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu erhöhen.

Der Anlass für die verstärkte Präsenz war ein Mord an einem 17-Jährigen im Februar 2025 am Eingang eines weiteren Centers am Marienplatz. Die Polizei war damals mit einer mobilen Wache in einem Container in die Innenstadt gezogen. Die jetzige feste Station ersetzt diese provisorische Lösung.

Die Daten sprechen eine deutliche Sprache

Und dann ist da noch die Zahl, die Schwerin nicht mehr loswird. Laut einer Auswertung der Krankenkasse Barmer liegt die Rate der Alkoholsucht-Betroffenen in der Landeshauptstadt bei 27,6 je 1.000 Einwohner. Das sind 86 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, was Schwerin den weniger schmeichelhaften Beinamen „Trinkerhauptstadt“ eingebracht hat.

Eine Auszeichnung, die unsere geliebte Landeshauptstadt nicht wirklich braucht, die sich aber auch nicht wegdiskutieren lässt. Und so bleibt Schwerin am Ende das, was es in solchen Momenten immer ist: eine Stadt, die mit beiden Beinen fest in der Realität steht und trotzdem das Glas hebt.

Die Bahn macht es vor, Schwerin darf nicht mitmachen. Das Rathaus bedauert das ausdrücklich. Der Marienplatz bleibt, wie er ist. Wir freuen uns drauf. Also irgendwie.

Marienplatz in Schwerin mit den Schweriner Höfen

Foto: Dguendel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: Nordkurier

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