Politik

70.000 Euro Schaden: Unbekannte zünden Mercedes in Neu Zippendorf an

Schwerin – Wenn die Schweriner Polizeipressestelle wieder einmal zur Beruhigung der aufgebrachten Bevölkerung ausholt, ist meistens etwas Substanzielles passiert. So auch am vergangenen Samstagabend, als gegen 18.15 Uhr ein Mercedes-Benz in Neu Zippendorf in Vollbrand geriet und kurzerhand einen daneben geparkten Transporter Mercedes-Benz Vito mit in den Abgrund riss. Beide Fahrzeuge: vollständig zerstört. Gesamtschaden: rund 70.000 Euro. Motiv: unbekannt. Täter: unbekannt. Alles an diesem Fall: typisch Schwerin.

Wenn der Stern zum Grill wird

Laut Polizei machten sich bislang unbekannte Täter am Mercedes zu schaffen und setzten ihn vermutlich mittels einer noch unbekannten Flüssigkeit in Brand. Was auch immer in einem Plattenbau-Viertel an einem Samstagabend um 18.15 Uhr so dringend mit brennbarer Flüssigkeit erledigt werden muss – die Schweriner Polizei tappt im Dunkeln. Der Pkw „geriet daraufhin in Vollbrand“, wie es im offiziellen Polizeideutsch heißt, was so viel heißt wie: Da half kein Eimer Wasser mehr, da half nur noch die Feuerwehr und ein Schnäppchen beim Gebrauchtwagenhändler des Vertrauens.

Der Transporter, der offenbar das Pech hatte, am falschen Ort zu parken, wurde ebenfalls Opfer der Flammen. Insgesamt beläuft sich der Schaden nach Polizeiangaben auf etwa 70.000 Euro. Für die Halter beider Fahrzeuge ein Schock, für die Kriminalpolizei ein weiterer Akt in einem Aktenberg, der in Schwerin langsam aber sicher die Ausmaße der Schlossmauer annimmt.

„Wir haben ein neues Brötchen beim Bäcker geholt, das Auto stand nur fünf Meter weiter – plötzlich stand es lichterloh in Flammen. Man fühlt sich im eigenen Viertel einfach nicht mehr sicher.“

— Anwohnerin aus Neu Zippendorf (Name der Redaktion bekannt)

Landeshauptstadt der offenen Fragen

Was den Fall besonders macht, ist nicht das Feuer selbst – Feuer gibt es in Großstädten immer wieder. Was ihn besonders macht, ist die Tatsache, dass in einer Stadt mit rund 96.000 Einwohnern, in der jeder jeden kennt und in der der Polizeifunk gefühlt im Stadtanzeiger mitgedruckt wird, ausgerechnet eine schlichte Brandstiftung an einem Samstagabend in einem dicht bewohnten Stadtteil offenbar im Verborgenen stattfinden kann. Ohne Zeugen. Ohne Hinweise. Ohne Ergebnis.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen – eine Floskel, die in Schweriner Polizeimeldungen mittlerweile so etwas wie eine eigene Kunstform geworden ist. Aufgenommen, abgeheftet, abgelegt. Irgendwann. Vielleicht. Wenn man Glück hat, klappt es vor der nächsten Wahlperiode. Immerhin: Die Stadt tut alles, um das Sicherheitsgefühl zu stärken. Man hat ja auch die Videoüberwachung am Marktplatz, die allerdings Neu Zippendorf nicht ganz erreicht.

Für die Anwohner bleibt unterdessen nur das ungute Gefühl, dass am Samstagabend offenbar alles möglich ist – und niemand, der im Stadtteil unterwegs ist, eine plausible Antwort darauf hat, warum zwei geparkte Autos in einer ruhigen Wohnstraße zu Feuerbällen werden. 70.000 Euro Schaden, null Ermittlungserfolge, und das Ganze vor der Haustür von Menschen, die einfach nur ihren Feierabend machen wollten. Willkommen in der Landeshauptstadt der kurzen Wege und der langen Ermittlungen.

Foto: Matt Hearne / Unsplash

Quelle: SN-Aktuell

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