Krackow/Schwerin. Mecklenburg-Vorpommern, Randlage, polnische Grenze. 755 Jahre ist die Gemeinde Krackow jetzt alt. Und das Land Mecklenburg-Vorpommern spendiert zum Jubiläum: 14.000 Euro aus dem Bürgerfonds Kultur. Wissenschafts- und Kulturministerin Bettina Martin (SPD) höchstpersönlich überreichte den Zuwendungsbescheid an Bürgermeister Gerd Sauder. Eine Feuerwehr lud zum Tag der offenen Tür, ein neues Gerätehaus wurde eingeweiht, der CPO-Radweg zwischen Krackow und Battinsthal hat jetzt ein Teilstück mehr. Alles dank Landesmitteln, alles feierlich. Während in Schwerin, der Landeshauptstadt mit ihren knapp 96.000 Einwohnern, ein Kulturhaus nach dem nächsten schließt, schiebt das Land MV 14.000 Euro in ein Dorffest an der polnischen Grenze. Symbolpolitik at its best.
Wenn die Ministerin selbst kommt, ist es ernst
Bettina Martin reist also an. Mit dem Zuwendungsbescheid im Gepäck, mit dem Satz im Mund, dass das Jubiläum „ein besonderer Anlass“ sei und der „Bürgerfonds Kultur“ genau das Richtige tue. 14.000 Euro. Das klingt erstmal nach viel, ist aber – gemessen an dem, was Kultur in MV kostet – eher symbolisch. Die Freiwillige Feuerwehr Krackow bekam parallel ein neues Gerätehaus (gefördert). Das ist tatsächlich relevant, weil man als Dorf an der Grenze seine Feuerwehr braucht, egal ob das Land gerade ein Jubiläum feiert oder nicht.
Martin sagte, der Bürgerfonds Kultur stärke das gesellschaftliche Miteinander, fördere den generationsübergreifenden Austausch und festige den Zusammenhalt innerhalb der Kommune. Das ist die Übersetzung von: „Wir geben den Dörfern ein bisschen Geld, damit sie nicht völlig vergessen, dass es uns gibt.“ Die Veranstaltung selbst war ein „abwechslungsreiches Kulturprogramm“, das regionale Traditionen mit deutsch-polnischer Zusammenarbeit verband – klingt nach Blasmusik, Kinderschminken und einem Stand mit polnischen Wurstwaren. Aber immerhin.
„Das Jubiläum dieser Gemeinde ist ein besonderer Anlass, das gesellschaftliche Miteinander zu stärken. Mit der Förderung unterstützen wir das kulturelle Leben im ländlichen Raum.“ – Kulturministerin Bettina Martin, vermutlich zwischen zwei Foto-Terminen.
Ländlicher Raum, ländliche Summen
Krackow ist nicht irgendein Dorf. Krackow liegt im äußersten Südosten von Mecklenburg-Vorpommern, direkt an der polnischen Grenze, mit dem CPO-Radweg als Lebensader Richtung Stettin. Der Radweg wurde 2026 um ein Teilstück erweitert. Das ist eine gute Nachricht für alle, die zwischen Deutschland und Polen pendeln. Wer hingegen in Schwerin Kulturpolitik macht, kennt Krackow vermutlich nur aus der Postanschrift des Zuwendungsbescheids.
Was bleibt, ist das Muster: Das Land fördert das Dorf mit einer Summe, die in keinem Kulturhaushalt einer Mittelstadt auffallen würde, inszeniert die Übergabe als Staatsakt, und macht ein Foto mit der Ministerin und dem Bürgermeister. 14.000 Euro. Für 755 Jahre. Für ein Dorffest. Für ein Feuerwehrgerätehaus, das tatsächlich gebraucht wird. Für ein Volk, das zwischen den großen Versprechen der Berliner Koalition und der Lethargie der Landespolitik seinen Alltag lebt. Was bleibt, ist der Bürgerfonds Kultur. Und ein Sommerfest. Und eine Feuerwehr, die neue Technik hat. Das ist besser als nichts. Aber in einem Bundesland, das Schwerin als Hauptstadt hat, müsste mehr drin sein als das.
Foto: Kevin Kandlbinder / Unsplash
Quelle: Regierung MV
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