Kultur

100 Jahre und kein bisschen müde: Historische Schweriner Straßenbahn lädt zu weiteren Jubiläumsfahrten ein

Was für ein Bild: Ein Triebwagen aus dem Jahr 1927, gebaut in Wismar, fährt wieder durch Schwerin. Nach dem Auftakt Anfang Juni lädt der Nahverkehr Schwerin bis Oktober zu vier weiteren kostenlosen Jubiläumsfahrten ein. Eine kleine Zeitreise mit Zeitkarte für umme. Wer im Schweriner Nahverkehr sonst eher dasitzen darf, während die Klimaanlage streikt, kann sich hier wenigstens einmal wie ein Fahrgast erster Klasse fühlen – inklusive Originalgeräuschen, altem Holzgeruch und einem freundlichen Schaffner, der 1927 wahrscheinlich auch nicht wusste, woher der Strom kommt.

Vier Termine, null Euro, hundert Jahre Geschichte

Die Mitfahrten sind kostenlos, Start- und Endpunkt werden noch bekannt gegeben, die Plätze sind begrenzt. Wer im Juni keine Karte mehr ergattern konnte, hat im Juli, August, September und Oktober noch vier Chancen. Der historische Triebwagen ist eine echte Rarität – eines von wenigen Exemplaren aus der ersten Schweriner Straßenbahn-Generation, gebaut in der Wismarer Waggonfabrik. Dass das Ding nach 99 Jahren immer noch fährt, sagt viel über deutsche Ingenieurskunst aus – und einiges über den Zustand des aktuellen Fuhrparks, der im Schnitt drei Mal pro Woche mit Baustellen kämpft.

„Die alte Bahn fährt. Die neue fährt manchmal. Mehr können wir von einem Jubiläum nicht erwarten.“

Jubiläum mit Hindernissen: Während die alte Bahn rollt, ächzt der Alltag

Parallel zu den Jubiläumsfahrten kämpft der Nahverkehr Schwerin mit den ganz realen Tücken des Jahres 2026: Die Greifswalder Straße wird ab dem 13. Juli abschnittsweise voll gesperrt, Linien 13 und 14 fahren Umleitung, Fahrpläne gelten nur als Vorschlag. Da wirkt eine 99-jährige Bahn, die einfach losrollt, fast schon wie eine Drohung an den aktuellen Fuhrpark. Sollen die mal so alt werden wie wir, scheint sie zu sagen, dann reden wir nochmal über Verspätungen.

Anmeldungen zu den Jubiläumsfahrten laufen über die Website des Nahverkehrs Schwerin. Wer eine Karte ergattert, sollte Kamera und Festhalten-am-Haltegriff-Bereitschaft mitbringen. Wer keine Karte bekommt, darf trotzdem an der Strecke winken – kostenlos, wie das ganze Jubiläum.

Foto: ommy / Pexels / Pexels License

Quelle: Schwerin-Lokal (SNO)

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