Politik

Wismars Bürgermeister tobt: Schwerin klaut der Hansestadt die Innovationsagentur direkt vor der Nase weg

Wismar wollte Sitz der neuen Innovationsagentur der Metropolregion Hamburg werden. Nun kommt sie nicht. Stattdessen zieht die Agentur nach Schwerin – und Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) ist „stinksauer“. Das berichtet die Ostsee-Zeitung. Herzlichen Glückwunsch, Landeshauptstadt. Selbst beim Abkassieren von Fördertöpfen muss man hier noch gegen die eigenen Nachbarstädte vorgehen.

Vier Bundesländer, 1,5 Millionen Euro im Jahr – und Schwerin bekommt den Zuschlag

Die Innovationsagentur ist ein gemeinsames Projekt der vier Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Ihr jährliches Budget: rund 1,5 Millionen Euro. Ihre Aufgabe: Innovationsprojekte anstoßen, Fördergelder von Bund und EU einwerben, Kompetenzen in der Region bündeln. Soweit die Pressemitteilung. Im Klartext: Ein weiterer Topf voll Geld, der in der Provinz verteilt wird – und alle wollen dran.

Unterzeichnet wurde die Absichtserklärung Mitte Juni bei den Ludwigsluster Gesprächen in Ludwiglust (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Eine Sprecherin der Metropolregion Hamburg erklärte gegenüber dem NDR, eine solche länderübergreifende Agentur sei „einzigartig in Deutschland“. Na, immerhin etwas, worin Mecklenburg-Vorpommern ganz vorne ist: darin, dass jeder mit jedem redet, aber am Ende nur einer den Kuchen bekommt.

„Die Innovationsagentur war ursprünglich für Wismar vorgesehen. Dass sie jetzt nach Schwerin geht, ist ein Schlag ins Gesicht der Hansestadt.“ — Thomas Beyer (SPD), Bürgermeister Wismar (sinngemäß laut Ostsee-Zeitung)

Was Beyer wirklich denkt, kann man sich denken. Wismar hat mit der Hochschule, dem InnovationPort und maritimer Wirtschaft immerhin ein paar echte Innovationsträger vorzuweisen. Schwerin hat – abgesehen von Schloss und Seen – vor allem Verwaltung und Landesbehörden. Doch wer in Schwerin das Rathaus hat, hat die Landtagsmehrheit und damit auch die Mehrheit bei der Frage, wohin das Geld fließt. Demokratie, meinetwegen. Aber fühlt sich für die Wismarer eher nach Standort-Stasi an.

Landeshauptstadt mit Selbstbedienungsladen

Die Agentur soll im Januar 2027 gegründet werden. 1,5 Millionen Euro pro Jahr – über die geplante Lebensdauer also ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag, der nach Schwerin fließt. Personalkosten, Büromieten, Veranstaltungen, Beraterverträge. Alles direkt vor der Haustür der Schweriner Stadtspitze, die ohnehin schon den Löwenanteil der Landesgehälter unter sich vereint. Dass die Stadt selbst in der Mitteilung nicht müde wird zu betonen, wie innovativ sie sei, wirkt da fast schon komisch. Schwerin ist innovativ – vor allem darin, Institutionen, die anderswo gegründet werden sollten, am Ende doch noch einzusammeln.

Für Wismar bleibt der Trost, dass es mit seinen rund 43.000 Einwohnern ohnehin immer ein Stückchen kleiner ist als die Landeshauptstadt mit ihren knapp 96.000. Was Wismar nicht hat: einen Ministerpräsidenten, der direkt um die Ecke wohnt. Und genau das ist der Punkt. Wenn in Mecklenburg-Vorpommern Innovation belohnt wird, dann nicht durch Leistung, sondern durch Lage. Wer das Schloss sieht, gewinnt das Budget. Und wer einmal auf den kaputten Gleisen nach Hamburg sitzt, weiß auch warum – denn selbst das marode Schienennetz der Region gehört seit Jahren zur Schweriner Erfolgsbilanz.

Bleibt zu hoffen, dass die neue Agentur irgendwann auch einmal etwas hervorbringt, das über eine schicke Website und ein paar Konferenzen hinausgeht. Sonst hat Wismar am Ende nicht nur die Innovationsagentur verloren, sondern Schwerin hat auch noch bewiesen, dass es selbst das Geldverbrennen nicht erfunden kriegen muss – weil andere Städte für Schwerin den Antrag schon ausfüllen.

Foto: Cristina Cerda / Unsplash

Quelle: NDR MV

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