Man muss sich das in der Schweriner Weststadt einmal vorstellen: Ein Stadtteilfest, das tatsächlich stattfinden sollte, kippt am Tag selbst. Nicht wegen Antragschaos in der Stadtvertretung, nicht wegen eines Brandschutzgutachtens, das seit drei Jahren unbearbeitet auf dem Schreibtisch liegt, und nicht, weil die Finanzierung mal wieder im Investitionshaushalt verschollen ist. Nein. Das WestStadtFest in der Bertolt-Brecht-Straße ist am Samstag ausgefallen, weil es – und das ist die offizielle Begründung – wittrungsbedingt abgesagt werden musste.
Damit ist am 13. Juni 2026 etwas eingetreten, womit in Schwerin niemand mehr gerechnet hat: Eine Veranstaltung fällt aus, ohne dass irgendein Beschluss der Stadtvertretung, irgendein interfraktioneller Arbeitskreis oder irgendein runder Tisch auch nur entfernt die Finger im Spiel hatte. Schuld war, wenn man den Meldungen des schwerin.news folgt, schlicht der Himmel über der Weststadt. Eine echte, handfeste, meteorologische Ursache. In Schwerin. Am Dreizehnten. Wir sind fassungslos.
Eigentlich ein Fest für Familien
Geplant war das Ganze als klassisches Nachbarschaftsfest für die Weststadt, immerhin einem Stadtteil, der in der Wahrnehmung vieler Schweriner ungefähr so oft mit positiven Schlagzeilen vorkommt wie der Schelfmarkt mit Wochenmarktständen. Zwischen EDEKA und Hochhaus in der Bertolt-Brecht-Straße sollten von 14 bis 17 Uhr unter anderem Musik, Mitmachangebote, Flohmarktstände und Aktionen für Familien stattfinden. Wer in der Weststadt aufwächst, lernt früh: Du bist wer, weil du hier bist. Und wenn das Wetter mitspielt, gibt es sogar etwas zu feiern. Diesmal hat es nicht mitgespielt.
Ich hab meiner Tochter den ganzen Tag versucht zu erklären, dass das Fest heute ausfällt. Sie kennt das ja schon. Die fragt inzwischen gar nicht mehr nach dem Warum. Die fragt nur: Geht morgen was? Nee, morgen ist Sonntag. Pech gehabt.
Fiktive Anwohnerin aus der Bertolt-Brecht-Straße, die es so oder so ähnlich formuliert haben soll
Wetter, das einzige ehrliche Verwaltungs-Element
In Schwerin hat das Wetter bekanntlich das letzte Wort. Wer schon einmal versucht hat, in dieser Stadt ein Open-Air-Event durchzuziehen, weiß: Der Juni ist statistisch betrachtet kein Selbstläufer. Wer trotzdem auf den Wetterbericht vertraut, tut das in der Regel auf eigenes Risiko. Insofern war die Absage am Ende konsequent. Wer in Schwerin ein Fest plant, muss den Himmel als gleichberechtigten Veranstalter einplanen, neben Kulturamt, Stadtmarketing und dem zuständigen Eigenbetrieb.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass selbst die witterungsbedingte Absage in Schwerin für einen kurzen Moment so wirkt, als hätte sich die Stadt selbst übertroffen: Eine klare Ursache, eine eindeutige Begründung, kein politischer Kleinkrieg im Hintergrund. Einfach Petrus. Oder wie es eine Anwohnerin dem schwerin.news so oder so ähnlich sagte: Ein Fest, das wegen Wetter ausfällt, ist ehrlich. Das kennen wir hier gar nicht mehr.
In anderen Städten fällt ein Fest aus, weil die Sicherheitslage es erfordert. In Schwerin fällt es aus, weil es regnet. Ich finde, das hat was Tröstliches. Wenigstens ist das Wetter noch ehrlich zu uns.
Stadtteilbewohner, der in etwa so zitiert worden sein will
Was bleibt übrig?
Eine verschobene Familienaktion. Ein leerer Flohmarkt. Eine Stadtteilbelebung, die für ein paar Stunden mal wieder nicht stattgefunden hat. Und das ungute Gefühl, dass das, was in anderen Städten ein Sommertermin wäre, in der Schweriner Weststadt eher ein Hoffnungstermin ist. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, sagt man. In Schwerin ist aufgehoben das neue Aufgeschoben. Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise. Aus der Weststadt heißt es derweil: Wird schon noch. Irgendwann. Bei besserem Wetter.
Foto: Roland Denes / Unsplash
Quelle: schwerin.news
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