Kultur

Wenn das Federvieh revoltiert: Fritz-Reuter-Bühne bringt plattdeutsche Rock-Revue ins Schweriner Freilichtmuseum Mueß

Manchmal reicht ein Blick in einen Hühnerstall, um die Welt zu erklären: Wer oben sitzt, macht den Schnabel auf, wer unten steht, macht den Dreck weg. Die Fritz-Reuter-Bühne, das niederdeutsche Ensemble aus Schwerin, hat das offenbar verstanden und bringt jetzt eine Rock-Revue ins Freilichtmuseum Mueß, in der die Tiere eines Bauernhofes ihren Menschen ordentlich einheizen. „Krawall in’n Häuhnerstall“ heißt das Stück – und der Titel ist Programm.

Plattdeutsch, aber laut

Die Fritz-Reuter-Bühne macht seit Jahren das, was viele für unmöglich halten: Theater auf Niederdeutsch, ohne dass die Hälfte des Publikums hinterher googeln muss. Mit „Krawall in’n Häuhnerstall“ wagt das Ensemble jetzt den Spagat zwischen Bauernhof-Idylle und Rock-Revue. Das Setting ist denkbar einfach: Tiere mischen ihre Menschen auf. Wer hier wen aufmischt, ist Auslegungssache – und genau das macht den Reiz aus.

Die Idee, dass ausgerechnet das Federvieh gegen seine Halter rebelliert, hat in Mecklenburg-Vorpommern eine gewisse Tradition – man denke nur an die jährlichen Stallpflicht-Debatten, wenn die Vogelgrippe durchs Land zieht. Dass das jetzt als Rock-Revue verpackt auf die Bühne kommt, ist die ehrlichste Form der politischen Bildung, die Schwerin in diesem Sommer zu bieten hat.

Mueß goes Woodstock – nur platt

Das Freilichtmuseum Mueß, ohnehin eines der atmosphärischsten Areale der Landeshauptstadt, wird damit zur Bühne für ein norddeutsches Sommertheater, das zwischen Schultheater und Provinz-Show oszilliert – und genau das ist seine Stärke. Wer schon einmal an einem lauen Sommerabend im Mueß am See saß, weiß: Hier passt nichts zusammen, und genau deshalb passt alles. Die Rock-Revue mit tierischer Besetzung ist da nur die konsequente Fortsetzung.

Über die genauen Termine schweigt sich die Fritz-Reuter-Bühne bislang aus, soviel steht fest: Wer hingeht, sollte robuste Schuhe tragen, plattdeutsche Grundkenntnisse mitbringen und damit rechnen, dass am Ende nicht klar ist, wer hier wen aufgemischt hat. In Schwerin ist das ein Sommer wie er sein soll – ein bisschen absurd, ein bisschen laut, und am Ende kennen sich alle wieder beim Bier am See.

Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: NDR

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