Infrastruktur

WEMAG feiert 86 Ladepunkte im Nirgendwo: Schwerin als Hauptstadt der Elektromobilität hat ausgerechnet selbst keine

Schwerin darf sich offiziell Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern nennen, beim Thema Elektromobilität bleibt davon nur die Hauptsache: nichts. Die WEMAG, immerhin einer der größten Energieversorger des Landes, hat in Lüttow-Valluhn am Autobahnkreuz eine nagelneue Ladesäule von Alpitronic mit 150 kW in Betrieb genommen. Schnellladen für Lkw inklusive. Macht sich gut auf Pressefotos, macht sich weniger gut für jeden, der in Schwerin selbst ein E-Auto fährt.

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim steht jetzt Ladepunkt Nummer 86. Im Stadtgebiet Schwerin? Darüber spricht die WEMAG-Pressemitteilung auffällig nicht. Stattdessen erklärt das Unternehmen voller Pathos, das Ziel sei eine „alltagstaugliche Elektromobilität, die nicht nur möglich, sondern auch komfortabel wird“. Komfortabel ist vor allem der Standort in Lüttow-Valluhn: Gewerbegebiet, Autobahn, vier Lkw-Stellplätze, danach gleich wieder zurück auf die A 24. Die Elektromobilität, die hier entsteht, ist eine für den Transit, nicht für die Landeshauptstädter.

Landeshauptstadt, aber bitte nicht für E-Autos

Schwerin hat rund 96.000 Einwohner, einen historischen Stadtkern, sieben Seen und ein Problem: Wer hier ein E-Auto besitzt, sucht Schnellladeinfrastruktur mit der Lupe. Zwei, drei öffentliche Ladesäulen, manche defekt, manche seit Monaten außer Betrieb, manche nur mit 22 kW Wechselstrom bestückt. Die Innenstadt gehört damit zu den schlechter versorgten Bereichen in ganz MV, und MV gehört zu den schlechter versorgten Flächenländern in Deutschland. So entsteht eine doppelte Negativauslese: Wer in Schwerin ein E-Auto kauft, muss entweder zu Hause laden können, einen festen Stellplatz mit Wallbox besitzen, oder aber die WEMAG in Lüttow-Valluhn mit ihrer neuen 150-kW-Säule nutzen, was ungefähr so naheliegend ist, wie in Hamburg zu tanken, weil man in Pinneberg leer steht.

„Hauptstadt der Elektromobilität sieht anders aus. Bei uns sieht es aus wie eine Landeshauptstadt, die sich selbst vergessen hat.“
— Anwohner aus der Schelfstadt, zitiert nach einer halben Stunde Suche nach einer freien Ladesäule

Die WEMAG argumentiert, dass die Versorgung im Landkreis Ludwigslust-Parchim „86 Ladepunkte“ umfasse. Das klingt beeindruckend, ist aber nichts anderes als eine geschickte Mittelwertsrechnung: Der Landkreis ist dünn besiedelt, A 24 und A 14 ziehen sich durchs Gebiet, der Bund hat dort Lade-Hubs mitfinanziert. Die Stadt Schwerin taucht in dieser Statistik auf wie das Schlusslicht beim Sportfest: rechnerisch dabei, faktisch abgehängt.

Was bleibt, ist die Diskrepanz zwischen Marketing und Realität. Das „Ladewunsch“-Formular auf der WEMAG-Website liest sich wie eine digitale Bittstellung an ein Energieunternehmen, das im eigenen Hauptstadt-Revier lieber Autobahnen als Innenstädte elektrifiziert. Die Devise könnte lauten: „Lieber 150 kW für den Lkw auf der Durchreise als 11 kW für die Berufspendlerin vor dem Pfaffenteich.“

Bemerkenswert ist auch, dass die WEMAG selbst betont, „Reichweitenangst“ reduzieren zu wollen. Das funktioniert in Lüttow-Valluhn. In Schwerin bleibt sie hausgemacht. Solange die Landeshauptstädter beim Aldi-Parkplatz an der Schlossgartenallee um die zwei einzigen Ladesäulen kämpfen, ist jede neue Schnellladesäule an der A 24 vor allem ein Zeichen dafür, dass die Energiewende in Mecklenburg-Vorpommern an den Bedürfnissen der Menschen vorbei geplant wird. Die Landesregierung in Schwerin sollte sich fragen, warum ihr eigenes Lade-Marketing an ihrer eigenen Landesgrenze aufhört. Bis dahin bleibt die WEMAG das, was sie nach eigener Lesart am besten kann: gut dastehen, ohne dass es irgendjemandem vor Ort hilft.

Foto: Alexander Migl / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: SN-Aktuell: WEMAG legt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur ordentlich zu

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Quelle: SN-Aktuell

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