Kultur

Wasser von der Decke, Schimmel an den Wänden, Insolvenz im Nacken: Das Internationale Feuerwehrmuseum Schwerin zerfällt – und niemand will’s gewesen sein

Wasser von der Decke, Schimmel an den Wänden, Insolvenz im Nacken: Das Internationale Feuerwehrmuseum Schwerin zerfällt – und niemand will’s gewesen sein

Schwerin. Wenn Dirk Preuß am Ende April das Internationale Feuerwehrmuseum in Schwerin besucht, traut er seinen Augen nicht. Wasser tropft von der Decke. Schimmel breitet sich an den Wänden aus. An mehreren Stellen sind deutliche Spuren eines baulichen Verfalls sichtbar, die nicht nur den wertvollen Exponaten, sondern auch den Besuchern auf Dauer nicht zuzumuten sind. Preuß ist kein professioneller Kritiker. Er ist Museumsgast. Und er ist empört genug, um ein eigenes Konzeptpapier zu schreiben, die Stadtverwaltung anzuschreiben und die Misere an die Öffentlichkeit zu tragen.

Womit er nicht allein ist. Mittlerweile beschäftigt die Zukunft des Feuerwehrmuseums die Schweriner Stadtpolitik quer durch alle Fraktionen. In den vergangenen Wochen haben mehrere Fraktionen Anfragen an die Verwaltung gerichtet. Die Kernfragen sind so einfach wie unbeantwortet: Wie schlimm steht es wirklich um die Bausubstanz? Was kostet eine Sanierung? Welche Fördertöpfe gibt es? Und: Bleibt das Museum am alten Standort, oder muss ein neuer her?

Ein Museum in der Krise, eine Politik im Triage-Modus

Was sich abzeichnet, ist die klassische Schweriner Mischung aus dringendem Handlungsbedarf und maximaler politischer Verzögerung. Die Fraktion Unabhängige Bürger/FDP nennt das Museum ein "kulturelles Juwel" mit einer Sammlung, die weit über die Landesgrenzen hinaus Anerkennung finde. Vergleichbare Häuser dieser Art seien in Deutschland selten. Was sich ebenfalls abzeichnet: Bevor irgendetwas passiert, soll erst einmal der tatsächliche Investitionsbedarf ermittelt werden. Danach, so der Plan, werden realistische Finanzierungsmöglichkeiten geprüft. Erst danach, irgendwann, in ferner Zukunft, wird entschieden.

"Das Dokument soll als Impuls dienen, um die Problematik breiter bekannt zu machen und eine ernsthafte Diskussion über die Zukunft des Museums anzustoßen."

– Dirk Preuß, Museumsgast und Verfasser eines eigenen Konzeptpapiers

Preuß hat in seinem Papier Ideen skizziert, wie sich Attraktivität und Besucherzahlen erhöhen ließen. Auch ein Umzug in einen anderen Stadtteil steht im Raum. "Das Dokument soll als Impuls dienen", sagt er unserer Redaktion. Man darf das als höfliche Umschreibung dafür lesen, dass der Ernstfall längst eingetreten ist und das Museum dringend Hilfe braucht, bevor die Exponate selbst entscheiden, dass sie lieber woanders untergebracht werden wollen.

Stadtgeschichte auf Reservekanister

Dabei ist das Museum für viele Schweriner weit mehr als ein Haufen alter Feuerwehrhelme und ausrangierter Löschfahrzeuge. Es ist ein Stück Stadtgeschichte. Ein Ort, der bereits Generationen von Besuchern für Technik, Feuerwehrwesen und vor allem für das Ehrenamt begeistert hat. Wenn dieser Ort in einer Zeit wegbricht, in der bundesweit über Nachwuchsprobleme bei Freiwilligen Feuerwehren diskutiert wird, ist das nicht nur ein Verlust für die Sammlung. Es ist ein fatales Signal an eine ganze Region.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die Schweriner Politik den Ernst der Lage verstanden hat oder ob die Diskussion in der typisch schwerinerischen Mischung aus Anfragen, Prüfaufträgen und Sonntagsreden versickert. Ein Museum, das sich selbst mit Wasser versorgt, ist jedenfalls kein Konzept, das man noch lange als vorübergehende Bauweise verkaufen kann. Irgendwann ist der Wassertropfen voll, irgendwann ist die Bausubstanz am Ende, irgendwann kommt der Moment, in dem die Stadt sagen muss: Jetzt. Nicht morgen, nicht nach der nächsten Haushaltsberatung. Jetzt.

Preuß hat geliefert. Fehlt nur noch die Stadt.

Was bleibt, ist eine Mischung aus Ratlosigkeit und aufkeimendem Engagement. Während sich die Stadtpolitik in Anfragen und Prüfanträgen übt, hat ein einzelner Besucher ein Konzeptpapier geschrieben, das in der Verwaltung durchaus für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Preuß dokumentiert, was andere nur vermuten. Er liefert Antworten, bevor die Politik überhaupt die ersten Fragen zu Ende gestellt hat. Bleibt zu hoffen, dass die Schweriner Verwaltung das Papier nicht in der Schublade "Bürgeranregungen, zur Kenntnis genommen" verschwinden lässt. Sonst zerfällt hier nicht nur ein Gebäude, sondern auch das Vertrauen in die eigene Stadt.

Foto: Vero Eve / Unsplash

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Quelle: Nordkurier

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