Kultur

Was kann ein Spiegelei sein – außer ein Spiegelei? Zwölf Schweriner Fotografen geben darauf zwölf Antworten

Schwerin hat im Juli viele Themen: gesperrte Straßen, ein ringender Haushalt, eine Stadtvertretung, die sich selbst zerlegt. Doch das drängendste kulturelle Problem der Landeshauptstadt ist offenbar ein Frühstücksei. Ab dem 5. Juli widmet sich die MV-Fotogalerie in der Puschkinstraße 13 dem Thema „Spiegelei“ – und beweist mit zwölf Fotograf:innen aus Schwerin und Umgebung, dass ein Spiegelei alles sein kann. Außer natürlich ein Spiegelei.

Die Ausstellung des Vereins MV-Foto versteht sich als „spielerische, zugleich künstlerische Entdeckungsreise“. Zu sehen sind Arbeiten, die zwischen dokumentarischer Beobachtung, inszenierter Fotografie und experimenteller Bildgestaltung wechseln. Aus einem vermeintlich einfachen Wortspiel entstehe so „eine vielseitige Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Alltag, Form, Farbe und Kreativität“. Wer jetzt an Frühstück denkt, hat das Konzept bereits falsch verstanden.

Zwölf Schweriner, zwölf Wahrheiten

Mit dabei sind Martin Ahlert, Olaf Bellmann, Anke Berger, Rainer Dahlmeier, Thomas Dürr, Peter Häfner, Raoul Hinze, Ullrich Houschka, Stanislaw Lifson, Klaus-Peter Schmidt, Maria Schöne und Maria Schütt. Zwölf lokale Fotograf:innen, die den gleichen Begriff zwölfmal anders lesen – dokumentarisch, inszeniert, experimentell. Wer in der Ausstellung ein klassisches Spiegelei sucht, sollte besser im Restaurant nebenan bestellen.

Die Ausstellung läuft vom 5. Juli bis zum 30. August 2026 in der MV-Fotogalerie, Puschkinstraße 13. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei – was in Schwerin fast schon revolutionär ist, weil es bei vielen anderen Dingen in der Stadt leider nicht gilt.

Kunststadt mit klarer Priorität

Wenn Schwerin Zeit, Geld und Stolz hat für eine Spiegelei-Ausstellung, dann darf man fragen: Was passiert eigentlich mit den Schwimmbädern?

Manche werden sich fragen, warum ausgerechnet jetzt ein Ei ins Zentrum der Schweriner Kunstwelt rückt. Die Antwort liefert die Stadt selbst: Während draußen Baustellen den Sommer bestimmen und drinnen die Stadtvertretung über Posten streitet, hat das Kulturforum Schwerin Platz für zwölf Deutungen eines Frühstücks. Das ist vielleicht das ehrlichste Kunstprojekt des Jahres – nicht trotz, sondern wegen seiner Absurdität.

Wer zwischen dem 5. Juli und 30. August in Schwerin weilt, Donnerstag bis Sonntag zwischen 15 und 18 Uhr Zeit hat und kein Problem damit hat, einem Spiegelei zwölfmal zu begegnen, ohne es zu essen: Puschkinstraße 13, zweiter Stock. Eintritt frei. Hunger mitbringen ist erlaubt.

Foto: Kurt Kaiser / Wikimedia Commons / CC0 1.0

Quelle: schwerin.news

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