Kurioses

Vorfahrt genommen, Vollbremsung kassiert: Acht Touristen in Schwerins Achterbahn-Bus verletzt

Schwerin (dpa/SIG) | Was als gemütliche Stadtrundfahrt durch die Landeshauptstadt begann, endete am Mittwochvormittag für acht Schwerin-Touristen in einer ungewollten Achterbahnfahrt der besonderen Art. Eine Autofahrerin hatte der historischen Stadtrundfahrtenbahn in der Innenstadt schlicht die Vorfahrt genommen – woraufhin der Fahrer eine Vollbremsung hinlegte, die den Fahrgästen einen unfreiwilligen Einblick in die Schweriner Verkehrspolitik gab: Alles steht, nichts fährt, und wer bremst, verliert. (schwerin)

Die acht Verletzten – allesamt leicht verletzt – wurden von Rettungskräften versorgt, die nach eigenen Angaben „überrascht“ waren, „dass bei einer Schweriner Stadtrundfahrt nicht mehr kaputtgeht“. Gegen die Autofahrerin wird nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Sie selbst zeigte sich laut Polizei „untröstlich“ und konnte nicht verstehen, „warum die Bimmelbahn plötzlich stehenbleibt, obwohl sie doch so laut hupt“. (schwerin)

Schwerin-Tourismus: Wenn die Sehenswürdigkeit schon im Bus passiert

Während anderswo Touristen Attraktionen extra bezahlen, liefert Schwerin sie offenbar umsonst. „Ich hatte 12 Euro für die Stadtrundfahrt bezahlt“, so eine betroffene Berlinerin (47) unter Schock. „Aber die Vollbremsung, das war mehr Achterbahn als Hansa-Park. Mein Exmann hat mich nie so durchgeschüttelt.“

Die Polizei empfiehlt Touristen künftig, sich vor der Fahrt anzuschnallen – und die Schweriner Verkehrsdezernentin empfiehlt Autofahrern, „die Augen aufzumachen, auch wenn auf dem Schild Bahn steht und nicht Schloss“. Letzteres wäre in Schwerin ja schon ein Fortschritt, immerhin stehe man hier auch sonst auf Kriegsfuß mit Hinweisschildern.

Ich dachte, die Schmerzen kommen von meinem Kreuz. Aber dann hat der Bus gestoppt und ich lag auf dem Schoß von meinem Mann. Er hatte zum Glück ein Kissen aus dem Schloss-Shop dabei.

Die Schweriner Stadtrundfahrten-Betreiber zeigten sich unterdessen gelassen: „Wir liefern Erlebnisse. In München fahren die Touristen mit dem Hop-on-Hop-off-Bus – in Schwerin werden sie durchgeschleudert. Unser Motto bleibt: Schwerin ist geil. Und ab sofort auch: Schwerin ist gefährlich.“ Man wolle das Erlebnis in Zukunft als „Premium-Tour mit Adrenalin-Garantie“ vermarkten, inklusive Sicherheitsgurt und Warnhinweis: „Achtung, in Mecklenburg wird Vorfahrt genommen, nicht gegeben.“

Ob die Stadtrundfahrt-Betreiber Schadensersatz an die Verletzten zahlen müssen, ist noch unklar. Klar ist nur: Wer in Schwerin eine ruhige Fahrt erwartet, hat das Konzept „Landeshauptstadt mit Eigenbetrieb Stadtrundfahrt“ noch nicht verstanden. Die nächste Stadtrundfahrt startet planmäßig in zwei Wochen – dann offiziell mit Anschnallpflicht und Hinweisschild auf Holländisch, Englisch und „Rostocker-Platt“, damit auch ja jeder versteht, was hier passieren kann.

Foto: Marcus Cyron / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Quelle: ZEIT Online

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