Es klingt wie eine Broschüre des Landesmarketings, ist aber eine ganz normale Zeitungsgeschichte. Liz Metzler, Ergotherapeutin aus Leipzig, hat zusammen mit ihrer Familie innerhalb von vier Tagen das geschafft, was in Deutschland durchschnittlich mehrere Monate dauert: zwei Arbeitsverträge, einen Mietvertrag für ein Reihenhaus in Pampow und einen Kita-Platz in Stralendorf. Vier Tage. Kein Witz, kein Trick – vier Tage.
„Als mein Mann und ich uns endlich dazu entschlossen hatten, Bewerbungen loszuschicken, lief alles wie am Schnürchen“, erzählt die 35-Jährige. Bewerbung raus, Vertrag unterschrieben, Wohnung angemietet, Kita klar – fertig ist der Neustart in Mecklenburg-Vorpommern. Heute arbeitet sie im Kursana Domizil Stralendorf als Ergotherapeutin, leitet dort die soziale Betreuung und schwärmt von „weiten Horizonten“ und „kurzen Wegen zur Ostsee“.
Die Bedingungen dieser Erfolgsgeschichte
Die Metzlers sind allerdings nicht das, was die meisten Umzugswilligen mitbringen. Liz kommt nicht allein, sondern mit Mann und Kind, hat einen Pflegeberuf, der in MV händeringend gesucht wird, und Schwiegereltern in Stralendorf, die im Zweifel beim Einzug das Auto vollpacken. Wer keinen Pflegeberuf, keine Schwiegereltern im Speckgürtel einer Landeshauptstadt und kein Kleinkind, das in jeden Kindergarten passt, hat in dieser Rechnung ziemlich schlechte Karten.
„Wir haben jahrelang davon geträumt, im Norden auf dem Land zu leben – als wir uns endlich trauten, lief alles wie am Schnürchen.“
Die andere Seite der Medaille
Die Geschichte der Familie Metzler ist eine schöne Geschichte – und sie ist exakt das, was Mecklenburg-Vorpommern derzeit dringend braucht: Zuzug, junge Familie, handwerklicher Beruf, Verbleib. Nur ist sie halt kein Beleg für ein funktionierendes System, sondern für ein System, das nur unter Idealbedingungen funktioniert. Wer ohne Pflegeabschluss, ohne regionales Netzwerk und ohne familiäre Anker anreist, bekommt dieselbe Geschichte nicht erzählt. Die ist dann nämlich von 47 Absagen, monatelangen Wohnungssuchen und Kitas, die nicht einmal auf die Anfrage reagieren. Schwerin darf diese eine Familie feiern – sollte aber nicht so tun, als sei das der Regelfall. Sonst lügen sich Politik und Marketingmeute 2027 wieder in die Tasche, wenn die Einwohnerzahl trotz aller Imagekampagnen weiter sinkt.
Foto: Troy Mortier / Unsplash
Quelle: Nordkurier
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