Infrastruktur

Vier Jahre Parkschein-Wartezeit: Schwerin plant Bewohnerparkausweise für alle Zonen bis 2030

Schwerin. Die Stadt, in der ein Parkschein aktuell noch vier bis sechs Wochen Bearbeitungszeit braucht, will jetzt bis 2030 flächendeckend Bewohnerparkausweise für alle Zonen einführen. Vier Jahre. Mindestens. Das ist die übliche Schwerin-Geschwindigkeit: nicht schnell, aber verbindlich.

Wer in Schwerin einen Parkschein braucht, muss Geduld mitbringen. Wer keinen braucht, parkt halt irgendwo. Beides ist möglich. Theoretisch.

Vier Jahre, um einen Stempel zu setzen

Die Stadtverwaltung hat jetzt offiziell angekündigt, was Anwohnerinnen und Anwohner seit Jahren fordern: Bewohnerparkausweise sollen in allen Parkzonen der Innenstadt gelten — nicht mehr nur in der eigenen. Bisher gilt: Wer in Zone A wohnt, darf in Zone B nichts parken. Wer in Zone D wohnt, erst recht nicht in A. Wer in Zone F wohnt, hat ohnehin verloren.

Das wird jetzt geändert. Bis 2030. Vier Jahre. Eine Legislaturperiode. Oder: Sechs Baustellen-Bauphasen am Marienplatz. In Schwerin-Zeit ist das „zügig“. In jeder anderen Stadt wäre es ein Eingeständnis administrativer Lähmung. Hier nennt man es „bürgerfreundlich“.

Die Gebühren für die Ausweise wurden zuletzt übrigens auf 120 Euro pro Jahr erhöht — was im Stadtrat auf wenig Begeisterung stieß. BürgerBüro-Mitarbeiter arbeiten die Anträge in der Reihenfolge ab, in der sie eingehen. Und die Reihenfolge ist: chronologisch. Konsequent. Unbarmherzig.

Wer profitiert, wer wartet

Anwohner im Mueßer Berg werden sich freuen. Anwohner in der Weststadt auch. Anwohner in Krebsförden, Friedrichsthal und im Haselholz? Die fragen sich seit Jahren, warum ausgerechnet ihre Stadtteile bei der Parkraumbewirtschaftung nie vorkommen. Vielleicht, weil sie zu klein sind. Vielleicht, weil die Verwaltung gerade keine Kapazitäten hat. Vielleicht, weil bis 2030 noch Zeit ist.

Bis 2030 haben wir dann vielleicht einen digitalen Antrag. Und bis dahin einen Parkschein in Papierform. Beides wäre Fortschritt.

Die Verwaltung verspricht „bürgernahe Lösungen“. Was darunter genau zu verstehen ist, bleibt offen. Online-Antrag? Theoretisch ja, praktisch nur mit PDF-Upload und PostIdent. Termin im BürgerBüro? Drei Wochen Wartezeit, dann läuft der Parkschein ab. Hotline? Besetzt zwischen 9 und 9:15 Uhr.

Schwerin bleibt Schwerin

Was an dem Plan eigentlich realistisch ist? Schwerin hat Erfahrung mit großen Verwaltungs-Vorhaben. Die Sanierung der Schelfkirche dauert Jahrzehnte. Die Schwimmhalle soll „zeitnah“ wieder öffnen — seit 2017. Die Schlossgarten-Sanierung verzögert sich seit 2014. Ein Parkschein-Ausweis-System bis 2030? Das ist sportlich. Aber immerhin verbindlich.

Wer es bis 2030 schafft, in Schwerin einen Bewohnerparkausweis zu bekommen, der hat den Behördendschungel gemeistert. Der bekommt die goldene Verdienstmedaille „Verwaltungstauglich“. Und der parkt dann — vielleicht — endlich in seiner eigenen Straße.

Bis dahin gilt: Parkscheinautomaten funktionieren mit Bargeld. Bargeld wird gerade abgeschafft. Also: Parkscheinautomaten funktionieren bald gar nicht mehr. Aber das ist ein anderes Thema. Auch für 2030.

Foto: Waldemar Brandt / Unsplash

Quelle: Ostsee-Zeitung

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