Infrastruktur

Videowagen ade: Wie MV ausgerechnet jetzt die Verkehrskontrolle streicht – während die Zahl der Toten steigt

Willkommen in MV, wo ausgerechnet jetzt die Videowagen der Polizei abgeschafft werden sollen. Sechs Stück sind es im ganzen Land. Stationiert in Altentreptow, Grimmen, Dummerstorf und Stolpe. Drei der Wagen sind älter als sieben Jahre, gut 300.000 Kilometer auf dem Tacho, Ersatzteile Mangelware. Das Innenministerium hat das Votum gesprochen: Ablehnung. Die Wagen werden aus dem Kfz-Soll gestrichen. Begründung: keine Notwendigkeit. Wofür es Alternativen gibt, sagt das Ministerium nicht.

Die Polizei selbst sieht das naturgemäß anders. Im internen Netzwerk hat sich der Frust Bahn gebrochen. „Der Bürger rüstet auf, die Polizei rüstet ab.“ „Für ein umfassendes Verkehrskontroll- bzw. Überwachungskonzept fehlen schon lange die Mittel, personell als auch finanziell. Ein echtes Trauerspiel.“ „Wenn die Videowagen abgeschafft werden sollen, um Geld zu sparen, gibt mir das sehr zu denken, da 2025 das Jahr mit sehr vielen Verkehrstoten war.“ Sätze wie aus einem Drehbuch, nur leider echt.

Verkehrsforscher sieht „Wild West“

Prof. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin kennt den Effekt. Wenn Kontrolle fehlt, wird gefahren, als gäbe es keine Regeln. Über die linke Spur geht es nicht, also rechts überholen. Manchmal auch über den Seitenstreifen. Lichthupe als Diskussionsbeitrag. Mit einem Videowagen konnten solche Zeitgenossen überführt und aus dem Verkehr gezogen werden. Ohne diese Wagen: Wenig bis gar nichts.

„Wir wissen ja alle, wie wir so drauf sind. Und wenn wir tatsächlich den Eindruck haben, es gibt hier keine Kontrollen, dann fahren wir auch viel schneller als erlaubt. Und dann haben wir Wild West.“

Prof. Andreas Knie, Verkehrsforscher

Innenminister vertröstet

Innenminister Christian Pegel (SPD) hat die Kritik gehört und weist sie zurück. Es sei keine Frage des Geldes, sondern eine der Technik. Die neuen Wagen mit digitaler statt analoger Technik seien schlicht noch nicht lieferbar. Frühestens Ende 2026, Anfang 2027. Beschaffung in Deutschland dauert eben. Was er nicht sagt: Die Planung hätte wohl schon vor Jahren beginnen müssen. Stattdessen wird eine Lücke im Kontrollsystem riskiert. Verkehrstote 2025 auf Rekordniveau, und die Politik streicht das letzte sichtbare Sanktionswerkzeug.

Die Gewerkschaft der Polizei MV fordert einen verbindlichen Modernisierungs- und Beschaffungsplan. Konkret, datiert, mit Verantwortlichen. Kristin Frosch, Vorsitzende der GdP, erwartet außerdem, dass der Innenminister sich endlich äußert. Stattdessen kommt aus dem Innenministerium bisher: Votum Ablehnung. Stille.

Wir in Schwerin sagen: Wer auf der Autobahn 200 fährt, weil kein Blitzer steht, ist kein Einzelfall mehr, sondern Statistik. In MV, dem Land der leeren Straßen, ist Kontrolle kein Luxus. Sie ist Infrastruktur. Und Infrastruktur braucht Investition. Kein Votum Ablehnung.

Foto: Pierre Courtejoie / Wikimedia Commons / Public Domain

Quelle: NDR MV

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