Schwerin. Schloss. Landtag. Dort, wo sonst Minister reden, während die Opposition das Smartphone poliert, saßen am Samstag tatsächlich mal junge Leute. Bei der „Tafelrunde“ von NDR Nordmagazin. Die Idee: Schüler und Abiturienten diskutieren über das, was die Erwachsenen seit Jahren nicht hinkriegen – KI, Bildung, ÖPNV. Der Clou: Organisiert hat’s ein Abiturient. Nicht der Landtag. Nicht die Staatskanzlei. Ein Schüler. Hut ab.
Runde Tische, eckige Probleme
Der Name ist Programm: Tafelrunde. Wie bei König Artus. Nur ohne Schwert, ohne Burg, dafür mit kreischenden Mikrofonen und einem NDR-Kamerateam, das die Sache weniger mittelalterlich einrahmen sollte. Jannis Bönsel, Abiturient, hat das Format organisiert. In Gruppen diskutieren Jugendliche aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. Themen: Künstliche Intelligenz, Bildung, Öffentlicher Nahverkehr. Die drei großen Sorgenkinder der Republik – und zwar nicht nur in MV.
Wenn die Erwachsenen es nicht mehr hinkriegen, müssen wir halt selbst ran. — Jannis Bönsel, Abiturient und Veranstalter
Schwerin liefert ja sonst eher Schlagzeilen nach dem Motto „Ausschuss vertagt Entscheidung auf nächsten Ausschuss“. Da tut ein bisschen Runde-Tisch-Romantik richtig gut. Auch wenn’s am Ende wohl wieder nur ein Fernsehbeitrag wird, der 90 Sekunden läuft, bevor die Tagesschau kommt und mit dem Wetter alle Sorgen wegblendet.
Die echte Frage bleibt offen
Was bleibt von so einer Tafelrunde? Ein paar gute Vorsätze vermutlich. Vielleicht ein paar Tweets. Vielleicht die Erkenntnis, dass Jugendliche in Schwerin mehr Bock auf Politik haben als manch einer, der im Schloss auf dem Stuhl sitzt und sich gerade über die Sitzordnung der Fraktionen streitet. Die Hoffnung stirbt zuletzt – auch im Landtag.
Immerhin: Über KI diskutieren statt nur drüber lesen, Bildung nicht nur als Wahlkampf-Plakat, ÖPNV nicht nur als Realsatire in der morgendlichen S-Bahn nach Parchim – selbst der Nulltarif wird gerade diskutiert. Das wäre doch mal was. Schauen wir mal, was die Politik daraus macht. Wahrscheinlich nichts. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – und in Schwerin stirbt sie erfahrungsgemäß noch später.
Foto: Siegfried Poepperl / Pexels
Quelle: NDR MV
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