Schwerin. Wer in Mecklenburg-Vorpommern seine Einkommensteuererklärung abgibt, sollte zwischen Frühjahr und Frühsommer besonders viel Geduld mitbringen. Im Schnitt 50 Tage brauchen die Finanzämter im Land, bis der ersehnte Bescheid im Briefkasten landet — so will es der aktuelle Bearbeitungs-Check des Bundes der Steuerzahler, der auf den Daten der für 2024 eingereichten Erklärungen fußt.
Platz 13 von 15 Bundesländern. Hessen macht es in 41 Tagen. Bremen braucht 56. Nordrhein-Westfalen taucht in der Liste gar nicht erst auf, weil die Finanzverwaltung dort nur einen Durchschnittswert nennt, der 95 Prozent der Erklärungen in fünf Monaten erfasst. Was das bedeuten soll, weiß nur die Finanzverwaltung in Düsseldorf selbst. Wir hier oben an der Ostsee sind da ehrlicher: Wir nennen einfach eine Zahl, die sich gut anhört.
Ein Tag weniger — und das ist auch schon die Schlagzeile
Gegenüber dem Vorjahr haben sich die MV-Finanzämter um einen einzigen Tag verbessert. Einen. Ein Arbeitstag weniger zwischen Erklärung und Bescheid — wer jetzt sagt, das sei doch nichts, hat offensichtlich noch nie in der Schlange vor dem Finanzamt Schwerin gestanden. Da sind 24 Stunden im Grunde ein Quantensprung. Vergleichbar mit der Landung auf dem Mond, nur ohne Rakete und ohne Begeisterung.
Der Bund der Steuerzahler empfiehlt, die Erklärung möglichst im Frühjahr oder Frühsommer einzureichen — dann gehe alles schneller. Schneller heißt in MV: vielleicht 45 Tage. In der restlichen Zeit des Jahres darf der Steuerpflichtige das gute Gefühl genießen, ein Dokument eingereicht zu haben, das irgendwo zwischen Wismar und Pasewalk unter einem Aktenordner begraben liegt. Willkommen in der Verwaltungswirklichkeit einer Republik, in der das Internet 1995 erfunden wurde und die Finanzämter es bis heute nicht gemerkt haben.
50 Tage für einen Steuerbescheid, der in jedem handelsüblichen Steuerprogramm in unter zwei Sekunden berechnet werden könnte. Aber Beamtenrechte sind halt auch nicht von der Software abhängig.
Frühaufsteuer, Spätaufsteher, Steuererklärer
Was lernt der mündige Steuerbürger aus diesem Stück Verwaltungsfolklore? Ganz einfach: Wer in Mecklenburg-Vorpommern wohnt, hat zwei Möglichkeiten. Variante eins: Steuererklärung im Februar abgeben, im Sommerurlaub warten, im Herbst den Bescheid bekommen und sich dann beschweren, dass die Abweichung zur selbst errechneten Summe plötzlich 17 Euro beträgt. Variante zwei: Den Steuerbescheid einfach abwarten und das Geld so lange auf dem Konto liegen lassen, bis die Finanzbehörde sich meldet. Beides führt zum gleichen Ergebnis: Mehr Geld für den Staat, weniger Nerven für den Bürger.
Übrigens: Wer es ganz eilig hat, zieht nach Hessen. Wer es noch eiliger hat, wird Stammkunde in Bremen. Und wer denkt, dass eine Einkommensteuererklärung in MV in unter einer Woche durchgeht, hat den satirischen Charakter dieses Textes offenbar noch nicht ganz verstanden.
Foto: User:Mattes / Wikimedia Commons / Public Domain
Quelle: ZEIT Online / dpa-infocom, 03.06.2026
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