Schwerin – Was als Akt der Transparenz gedacht war, ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern vor allem eines: eine geschickt verpackte Bevormundung. Die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, immerhin eine Anstalt des öffentlichen Rechts, hat ihren Kundinnen und Kunden in den vergangenen Wochen Briefe geschickt, in denen die Einführung neuer Kontomodelle angekündigt wird. Klingt erstmal nach lästiger Routine. Doch die Details haben es in sich.
Ein Formular, ein Häkchen, kein Ausweg
Im beigelegten Wechselformular ist nach Angaben der Verbraucherzentrale ausschließlich das Kontomodell ankreuzbar, das die Sparkasse selbst vorgibt. Andere Optionen lassen sich nicht ankreuzen, Streichungen oder Änderungen seien »ausdrücklich nicht erlaubt«. Wer ein anderes Modell wählen will, muss sich laut Verbraucherzentrale ein neues Formular besorgen – und das möglichst schnell, bevor das alte unterschrieben zurückgeht. Das ist Wahlfreiheit nach Sparkassen-Logik: man darf wählen, was die Sparkasse einem vorschlägt.
Die bisherigen Kontomodelle wird es zukünftig definitiv nicht mehr geben. Kunden, die wir nicht überzeugen können, empfehlen wir, sich nach einem anderen Kreditinstitut umzuschauen.
Sparkasse Mecklenburg-Schwerin (gegenüber NDR)
So die Sprecherin des Instituts auf NDR-Anfrage. Die Verbraucherzentrale nennt das Vorgehen »intransparent« und kritisiert, dass günstigere Alternativen im Anschreiben gar nicht erst erwähnt würden. Vor allem ältere Menschen, die seltener online recherchieren, hätten kaum eine Chance, die preiswerteren Varianten überhaupt zu finden. Das Institut widerspricht: »Jeder Kunde [könne] sein Kontomodell frei wählen«. Frei wählen geht allerdings nur im persönlichen Gespräch, nicht im beigelegten Formular.
Einfachheit, Fairness und Transparenz – aber ohne Alternative
Auf Nachfrage betont die Sparkasse, bei der Vorstellung der neuen Kontomodelle hätten »Einfachheit, Fairness und Transparenz« oberste Priorität gehabt. Man zeige sich überrascht von der Kritik und nehme sie an. Wer im neuen Modell Extras wie eine kostenlose Bankkarte, Rabatte oder eine Handyversicherung nicht braucht, zahlt trotzdem den höheren Preis – es sei denn, er erkundigt sich aktiv nach einem anderen Kontomodell. Wer auf den beigefügten Werbeprospekt vertraut, bleibt auf den Mehrkosten sitzen.
Stefan Tietz von der Verbraucherzentrale rät deshalb, das Formular nicht vorschnell zu unterschreiben. Auch wer den Brief bereits zurückgeschickt hat, könne dem Wechsel noch widersprechen. Und wer gar nicht mehr mit der Sparkasse reden will, dem bietet das Institut gleich selbst einen kostenlosen Kontowechselservice an. Fast schon fürsorglich – wenn man bedenkt, dass das Geldinstitut seinen unzufriedenen Kunden den Wechsel zur Konkurrenz ja ausdrücklich empfohlen hat.
Was bleibt, ist das Bild einer Anstalt des öffentlichen Rechts, die ihre Definitionshoheit über das Wort »Wahlfreiheit« für sich gepachtet hat. In Schwerin, einer Stadt, in der der Haushalt ohnehin ein tiefes Loch hat, sollte die Sparkasse eigentlich wissen, wie sich unfreiwillige Auswahl anfühlt. Stattdessen verteilt sie das Gefühl jetzt einfach an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Man könnte auch sagen: Einfachheit, Fairness und Transparenz – Pick zwei, die Sparkasse entscheidet für Sie.
Wer also demnächst ein Schreiben der Sparkasse im Briefkasten findet, sollte den Stift erstmal zur Seite legen, die Verbraucherzentrale anrufen und sich nicht von Hochglanz-Worten blenden lassen. Oder, wie die Sparkasse selbst sagt: zur Konkurrenz gehen. Beides geht. Frei entscheiden dürfen die Schweriner ja angeblich.
Foto: Mathias Reding / Pexels
Quelle: NDR
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