Schwerin macht Ernstfall-Probe – und zwar ausgerechnet mit Minderjährigen. Beim diesjährigen Schulsanitäts-Wettkampf traten 80 Schülerinnen und Schüler aus Schwerin, Ludwigslust und Bad Doberan gegeneinander an, um zu zeigen, was sie als ehrenamtliche Ersthelfer wirklich draufhaben. Statt Erste-Hilfe-Kurs-Standby und trockenem Vortrag gab es nachgestellte Unfälle, schreiende Statisten und Prüfer, die offenbar wissen wollten, ob die jungen Sanitäter einen kühlen Kopf behalten, wenn der Drucker im Sekretariat ausfällt – oder wenn wirklich jemand auf dem Schulhof liegt.
Klingt nach Schulsport – ist aber Ernstfall-Prüfung
Die Idee ist so einfach wie sinnvoll: Wer schon mit 14 weiß, wie man eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringt, muss mit 25 nicht erst googeln, wenn der Kollege im Büro vom Stuhl kippt. In Schwerin gehört die Schulsanitäts-Ausbildung an immer mehr Schulen zum Standardrepertoire – ehrenamtlich, meistens vor dem Unterricht oder in der Pause, manchmal auch während des Musikunterrichts, wenn die AG mal wieder ausfällt.
Beim Wettkampf mussten die Teams verschiedene Unfallszenarien durchspielen: Schnittwunden, Knochenbrüche, Kreislaufkollaps und – Klassiker – der gestürzte Radfahrer mit Helm, der partout nicht runterwill. Bewertet wurde nicht nur die Technik, sondern vor allem die Kommunikation unter Stress. Wer in Schwerin einen Notruf absetzt, lernt hier früh, dass die Leitstelle Mecklenburg-Vorpommern auch mal zwei Minuten braucht, bis jemand rangeht – und wie viel in diesen zwei Minuten passieren kann.
Wenn ein 15-Jähriger ruhiger bleibt als der Hausmeister mit dem Schlüsselbund, dann läuft was richtig – oder was richtig schief in der Erwachsenenwelt.
80 Helfer, die das Ehrenamt am Laufen halten
Was viele unterschätzen: Ohne diese Schulsanitäter würden bei Schul- und Sportfesten regelmäßig die richtigen Helfer fehlen. Während der Rettungsdienst in Schwerin im Dauerstress ist und auf 33-Grad-Hitze mit langen Einsätzen reagiert, sind die Jugendlichen diejenigen, die innerhalb von Sekunden am Ort sind, weil sie eh schon auf dem Schulhof stehen. Sie verbinden Pflaster, rufen den Rettungsdienst und kümmern sich um die heulenden Klassenkameraden – eine Aufgabe, für die Erwachsene in MV selten genug Wertschätzung bekommen.
Die Organisatoren betonen, dass der Wettkampf keine trockene Pflichtübung war, sondern den Teams tatsächlich alles abverlangt hat. Wer am Ende die Nase vorn hatte, ist dabei fast egal – entscheidend ist, dass am Ende 80 Jugendliche mehr wissen als vorher. In einer Stadt, in der das nächste Krankenhaus nicht um die Ecke liegt, ist das durchaus beruhigend. Man darf nur hoffen, dass sie den Ernstfall nie brauchen – aber wenn doch, sind sie vorbereitet, anders als so mancher Mitarbeiter im Schweriner Rathaus.
Foto: Juan Moccagatta / Pexels
Quelle: NDR
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