Kurioses

Schwerins Petermännchen-Fähre macht pünktlich zur Saison schlapp: 100 Jahre alt, Technik tot, Sommer im Arsch

Willkommen in Schwerin. Die Petermännchen-Fähre auf dem Pfaffenteich ist seit dieser Woche Geschichte. Nicht offiziell, versteht sich. Nur so halb. Mit einem „technischen Schaden“, der das mehr als 100 Jahre alte Schiff außer Gefecht setzt. Pünktlich zur Saison. Pünktlich zum Sommer. Pünktlich genau dann, wenn Touristen und Einheimische das runde Ding über den Teich wieder brauchen würden.

Der Nahverkehr Schwerin (NVS) hat das heute bestätigt. Wann die Fähre wieder fährt? Offen. Was der Schaden ist? Offen. Was die nächsten Schritte sind? Ebenfalls offen. Man prüfe mögliche weitere Schritte. Klingt nach Plan. Sieht nach Schwerin aus.

Ein Schiff wird älter, die Stadt wird müde

Die Petermännchen-Fähre ist kein x-beliebiges Boot. Sie ist ein historischer Kreuzer, der seit Jahrzehnten über den Pfaffenteich tuckert, zwischen Schloss und Altstadt, vorbei an Enten und Hochzeitspaaren. Vor ein paar Wochen hat sie noch fröhlich ihre Runden gedreht. Jetzt steht sie. Mit Schaden. Bis auf Weiteres.

Dass so ein Schiff irgendwann den Geist aufgibt, ist nicht die Überraschung. Die Überraschung ist, dass es offenbar niemanden überrascht. Die Stadtverwaltung hat die Politik schon im vergangenen Jahr über den Zustand des Kreuzers informiert. Damals ging es um Berichte, Mahnungen, Prüfungen. Heute geht es um einen Defekt, der den Betrieb lahmlegt. Was dazwischen passiert ist? Man darf raten.

„Wann der Fährbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist aktuell offen. Über die weiteren Entwicklungen soll informiert werden, sobald neue Erkenntnisse vorliegen.“

Nahverkehr Schwerin, Pressemitteilung

Das ist Pressesprache für: Wir wissen es auch nicht so genau. Und das nach über einem Jahr Vorlauf.

Die Petermännchen-Frage: reparieren, ersetzen, aussitzen?

In Schwerin wird seit Jahren über die Zukunft der Fähre diskutiert. Reparieren ist teuer. Ersetzen ist auch teuer. Aussitzen ist günstig, sieht aber doof aus, wenn das gute Stück mitten in der Hochsaison einfach liegen bleibt. Genau so sieht es jetzt aus.

Dabei ist die Fähre mehr als ein Transportmittel. Sie ist Postkartenmotiv. Sie ist Selfie-Hintergrund. Sie ist das, was Schwerin von einer x-beliebigen Seen-Stadt mit Rathaus und Marktplatz unterscheidet. Ohne Fähre fehlt was. Und das werden die Touristiker in der Stadtverwaltung spätestens dann merken, wenn die ersten Beschwerden aus den Hotels kommen.

Was bleibt? Ein Haufen Fragen. Was ist kaputt? Was kostet die Reparatur? Wer zahlt das? Und vor allem: Wie lange soll das „Bis auf Weiteres“ dieses Mal dauern? In Schwerin kennt man das „Bis auf Weiteres“. Das ist die diplomatische Variante von „Vergesst es“.

Wir drücken mal die Daumen. Für die Fähre. Für den Sommer. Und für eine Stadt, die es irgendwie schafft, ihr eigenes Wahrzeichen still und leise an die Wand zu fahren.

Foto: Javier Cachafeiro / Unsplash

Quelle: Schwerin-Lokal

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