Schwerins Innenstadt ist nicht einfach „im Wandel“ — sie wurde zur Kulisse gemacht. Das ist keine Überraschung. Das ist das Ergebnis von Jahren, in denen die Stadt sich selbst als Schaufenster verkauft hat. Welterbe, Tourismus, historische Kulisse — und jetzt wundern sich alle, dass die Innenstadt teurer, touristischer und für den normalen Alltag unbrauchbarer wird.
Man stelle sich vor: Man baut seine eigene Stadt zur Bühne um, und dann wundert man sich, dass am Ende nur das bleibt, was auf diese Bühne passt. Kulissen. Schaufenster. Dinge, die man sich ansieht — und zwar nur ansieht.
Der Wandel war gewollt — und jetzt tut man überrascht
Die Altstadt von Schwerin wurde regelrecht als Disney-World für Erwachsene verkauft. Makellose Fassaden, leuchtende Schaufenster, schicke Cafés. Alles schön. Alles durchsaniert. Alles wahnsinnig fotogen. Aber was ist mit dem echten Leben? Der kleine, inhabergeführte Laden? Der günstige Imbiss? Der Späti um die Ecke? Die Jugendlichen, die sich einfach nur treffen wollen?
„Früher konnte man hier noch einkaufen. Heute kann man hier nur noch fotografieren. Für was’n eigentlich?“
— Schwerinerin (52), seit 30 Jahren in der Altstadt
Die Mieten schießen durch die Decke. Ferienwohnungen werden lukrativer als Wohnungen für Menschen, die hier tatsächlich leben wollen. Der Späti stört auf einmal das „edle Bild“. Jugendliche gelten plötzlich als „Problem“. Und irgendwie soll uns das alles überraschen?
Die Frage, die sich keiner stellen will
Schwerin will beides: Den großen Welterbe-Glanz à la Disneyland, und den echten, rauen Alltag. Massen an Touristen, aber bitte auch bezahlbare Läden. Die schnieke Altstadt, aber auch urbane, echte Lebendigkeit. Her mit den Besuchern, aber bitte ganz ohne Nebenwirkungen.
Sorry, aber so funktioniert das nicht. Wer eine Innenstadt politisch derart aufwertet, bekommt steigende Preise. Wer sie massiv vermarktet, weckt Begehrlichkeiten bei Investoren. Wer sie zur Kulisse degradiert, wird das echte Leben irgendwann als störend empfinden.
„Die Innenstadt ist wunderschön. Nur schade, dass da keiner mehr wohnt.“
— Ein Schweriner, der es ganz gut auf den Punkt bringt
Das ist keine Kritik am Onlinehandel. Klar, wir kaufen heute alle anders ein. Das ist halt so. Aber das erklärt nicht, warum Schwerins Zentrum zur reinen Kulisse verkommt. Das erklärt nicht, warum plötzlich alles unter Druck gerät, was nicht blitzsauber in den Hochglanz-Prospekt des Stadtmarketings passt.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Schwerins Innenstadt im Wandel ist. Die Frage ist: Für wen wurde sie eigentlich umgebaut? Für die Menschen, die hier leben? Für die kleinen Händler? Für die Jugend? Für Familien aus den Randbezirken?
Oder machen wir das alles nur noch für Touristen, für Immobilienbesitzer, für die Gastro-Szene, für Ferienwohnungs-Betreiber und für ein paar schöne Instagram-Fotos?
Wer das Welterbe feiert, muss auch über Verdrängung reden. Wer seine Innenstadt als Bühne verkauft, sollte sich nicht wundern, wenn das echte Leben an den Rand gedrückt wird. Die steigenden Ladenmieten sind keine Überraschung — sie sind die Quittung. Und genau hier zeigt sich die ganze absurde Ironie: Während das offizielle Schwerin den Späti am liebsten als Schandfleck aus dem Straßenbild tilgen würde, wird er von genau den Touristen, die man anlocken wollte, für das schnelle Bier zwischendurch gestürmt.
Diese Entwicklung war absehbar. Dass sich jetzt alle so wahnsinnig überrascht zeigen — das ist das eigentliche Problem.
Foto: Ronald Bieber / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Quelle: schwerin.news
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Foto: Ronald Bieber / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
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