Es gibt sie noch: die ehrlichen, unbezahlten, ehrenamtlich geführten Kulturveranstaltungen, die irgendwann niemand mehr bezahlen will. Der Schweriner Musikklub gehört dazu. 22 Konzerte in diesem Sommer, jeden Dienstag um 19 Uhr, auf dem Markt, bis keiner mehr kommt – oder bis das Wetter den Musikklub macht.
Wer sich jetzt fragt: „Was, am Dienstag?“ – ja, am Dienstag. Der Verein hat sich für Dienstag entschieden. Warum Dienstag? Weil der Montag dem Wochenschreck gehört, der Mittwoch der Mitte, der Donnerstag der Vorfreude und der Freitag dem Vorfeiern. Der Dienstag war noch frei. Also: Dienstag. Logik des Vereinslebens.
Kostenlos, draußen, mit Aussicht auf Regen
22 Konzerte, kostenlos, open air, auf dem Markt. Klingt nach Festival für Leute ohne Festivalbudget. Klingt nach dem, was Schwerin kann: sich hinstellen, irgendwo was aufbauen, und hoffen, dass das Wetter mitmacht. Das Wetter macht selten mit. Der Musikklub macht’s trotzdem.
Was für ein Line-Up? Wechselt. Jede Woche was anderes, irgendwas zwischen Liedermacher, Indie, Punk und dem, was die Veranstalter unter „interessant“ verbuchen. Hauptsache: es kommt jemand. Hauptsache: es bleibt jemand. Hauptsache: es wird nicht regen. Wird es aber. Irgendwann immer.
22 Konzerte veranstaltet der Verein in diesem Sommer. Jeden Dienstag 19 Uhr – bis keiner mehr kommt.
Das Zitat ist echt, der Satz steht im NDR-Bericht, und die Formulierung „bis keiner mehr kommt“ hat etwas Tröstliches. Es ist die ehrlichste Veranstaltungsbeschreibung, die man in MV lesen kann. Kein „unvergessliches Erlebnis“, kein „Feuerwerk der Emotionen“. Nur: bis keiner mehr kommt. Punkt. Wer noch da ist, ist dabei.
Der Verein, der niemanden braucht, der trotzdem kommt
Im Winter, wenn der Markt zu kalt wird, zieht der Musikklub in verschiedene Locations. Macht was anderes: Weekender, kleinere Formate, was sich halt ergibt. Klingt nach Improvisationskunst. Ist auch Improvisationskunst. Mit einer Prise Verzweiflung, weil ohne Förderung in MV geht halt nichts, was nicht ohnehin jemand macht, der es liebt, bis es weh tut.
Wer den Musikklub noch nie besucht hat: das sind die Leute, die in Schwerin freiwillig Verantwortung übernehmen, ohne Stadt, ohne Sponsoren, ohne Gage. Es gibt sie noch. Sie sitzen dienstags auf dem Markt. Sie schleppen Kabel, sie stellen Boxen auf, sie hoffen auf trockenes Wetter. Wenn es klappt, klappt’s. Wenn nicht, war’s ein netter Abend unter Freunden.
Schwerin hat also wieder etwas, was eine Hauptstadt haben sollte: ein kostenloses, wöchentliches Open-Air-Programm. Dienstag, 19 Uhr, Markt. Wer hingeht, geht hin. Wer nicht hingeht, hat Pech. Denn wenn keiner mehr kommt, ist Schluss. Und das wäre schade. Drum: hingehen. Dienstag. 19 Uhr. Markt. Fertig.
Foto: Yvette de Wit / Unsplash
Quelle: NDR
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