Wirtschaft

Schweriner Haushalt klafft 20,5 Millionen tief – ausgerechnet bei den Kindern soll gespart werden

Schwerin – die stolze Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, eingebettet zwischen Schloss und Seen – plant für 2026 ein Haushaltsdefizit von rund 20,5 Millionen Euro. Das sind etwa 215 Euro pro Einwohner, die die Verwaltung mehr ausgibt als einnimmt. Klingt nach viel? Ist es auch. Besonders bitter: Der größte Preistreiber ist ausgerechnet die Jugendhilfe, die jetzt mit zusätzlichen 4,2 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Die Ironie könnte kaum perfekter sein: Eine schrumpfende, alternde Stadt, in der die einzige Bevölkerungsgruppe, die überhaupt noch für die Zukunft steht, plötzlich zu teuer wird. Die Verwaltung spricht in ihrer Vorlage von „steigenden Entgelten bei freien Trägern“ und „wachsenden Fallzahlen in der stationären Jugendhilfe“ – was im Klartext bedeutet: Kinder kosten halt was, wenn man sie nicht einfach auf die Straße setzt.

Die Haushaltssperre war erst der Anfang

Bereits im Februar hatte die Stadt eine Haushaltssperre verhängt, nachdem die Rechtsaufsicht grünes Licht für ein Defizit von immerhin „nur“ 18,1 Millionen Euro gegeben hatte. Damals war man noch optimistisch, dass sich die Lage mit ein paar Sperren und Sparmaßnahmen einfangen ließe. Vier Monate und einen Finanzbericht später ist klar: Die 2,4 Millionen Euro Verschlechterung sind kein Ausreißer, sondern Trend.

„Wenn das so weitergeht, müssen wir 2027 wohl auf den Kinderspielplatz im Haushalt verzichten – oder auf die Kinder. Wir haben uns noch nicht entschieden, was uns wichtiger ist.“

— Anonymisierter Kommentar aus dem Schweriner Rathaus, frei erfunden

Wirklich kreativ wird es bei der Ursachenanalyse: „Diese hätten bisher aber noch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet oder griffen nur mit zeitlicher Verzögerung“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Mit anderen Worten: Die eingeleiteten Sparmaßnahmen wirken nicht. Wer hätte das gedacht.

Hauptstadt der Hoffnungslosigkeit

Für eine Landeshauptstadt, die mit dem Schloss auf jedem Postkartenmotiv prangt und sich landauf, landab als „Stadt der sieben Seen und der schnellen Internetverbindung“ verkaufen möchte, ist das ein ziemlich hässliches Bild. Während draußen Imagekampagnen um Touristen buhlen, plant man hinter den Rathausmauern ein Defizit, das pro Kopf gerechnet etwa dem Monatseinkommen eines Vollzeit-Mindestlohnempfängers entspricht. Man könnte auch sagen: Schwerin gibt seinen Kindern monatlich das, was andere unter Hartz IV bekommen – nur dass die Stadt das als „freiwillige Mehrausgabe“ verbucht.

„Ich finde das alles gar nicht so schlimm. Immerhin sind wir konsequent: Bei der Infrastruktur sparen wir, bei der Bildung sparen wir, und jetzt bei den Kindern erst recht. Irgendwann muss ja niemand mehr hier wohnen.“

— Erfundener Kommentar einer fiktiven Schweriner Bürgerin, Schlosspark-Café

Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass die Entwicklung „kein Schweriner Sonderproblem“ sei – was vermutlich stimmt, denn vielen anderen Städten in Deutschland geht es ähnlich. Was die Sache nur schlimmer macht: Selbst im bundesweiten Vergleich der chronisch klammen Kommunen ist Schwerin damit in der oberen Liga der Finanzlöcher angekommen. Die einzige Konstante: Man sitzt es aus.

Die Frage, die sich die rund 96.000 Einwohnerinnen und Einwohner stellen dürfen, ist weniger, ob Schwerin das Geld wieder einsammelt, sondern ob es überhaupt noch eine Stadt ist, in der man seine Kinder großziehen möchte. Die offizielle Antwort der Verwaltung: erstmal abwarten, dann sperren, dann nochmal abwarten. Solange die Buchhaltung sauber bleibt, ist der Rest wohl zweitrangig.

Foto: Krzysztof Golik / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: Schwerin-Lokal

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