Kultur

Schweriner Geheimkonzert: 100 Auserwählte zwischen Lokomotiven – und eine Mutter, die fast einen Herzinfarkt bekam

# Geheimkonzert in Schwerin

Schwerin hat wieder einmal bewiesen, warum die Landeshauptstadt in Sachen Exklusivität ganz vorne mitspielt: 100 Gäste, null Tickets, ein Künstler, den niemand kennt, und eine Location, die selbst Geheimagenten nicht verraten dürfen. Willkommen beim 13. Geheimkonzert – dem kulturellen Höhepunkt einer Stadt, in der man offenbar nur dann Kultur erleben darf, wenn man die richtigen Leute kennt.

Seit 2011 pilgert die Schweriner Schickeria einmal im Jahr zu einem Konzert, das niemand offiziell bewirbt. Veranstalter Holger Herrmann, umgeben von einem Netzwerk regionaler Unternehmen, verteilt die Karten höchstpersönlich. Die Adressaten tragen Titel wie „Kunden, Partner, Freunde oder Wegbegleiter“ – was im Klartext bedeutet: Wer keine geschäftliche Beziehung zum Veranstalter pflegt, hat ungefähr so gute Chancen auf eine Karte wie ein Veganer auf der Schlachtplatte.

Eisenbahnmuseum als Bühne, Lokomotiven als Kulisse

Der diesjährige Geheimact fand im Eisenbahnmuseum statt. Zwischen historischen Lokomotiven saßen die Gäste auf Stühlen, die vermutlich noch aus der Dampflok-Ära stammen, und fragten sich bis kurz vor Konzertbeginn: Wer kommt heute? Liedermacher? Band? Solokünstler? Die Organisatoren schweigen. Die 100 Auserwählten rätseln. Der gemeine Schweriner Bürger schaut von außen zu und fragt sich, ob das jetzt Kunst ist oder regionales Koksgeschäft mit Saxofonbegleitung.

Die Auflösung kam pünktlich zum Konzertbeginn: Die Zöllner, genauer gesagt Dirk Zöllner, André Gensicke und Cellist Tobias Unterberg, präsentierten ihre Tour „Still – Die Zöllner im Trio Infernale“. Leise Töne, Klavier, Cello, Gitarre, eine Stimme, die aussieht wie eine Mischung aus Liebestod und Warten auf den Bus nach Sternberg.

„Finde ich super und klasse, dass man so eine Gelegenheit bekommt, die mal zu sehen“, schwärmte der 66-jährige Rentner Michael Szepanski, der die Karten bei einer Verlosung von Schweriner Volkszeitung und Nordkurier gewonnen hatte. „Mich hat gerade ein leichter Schauer überkommen.“

Mutter in Panik, Tochter genervt, Nachbarin mischt mit

Das Schönste an einem Geheimkonzert ist die Geheimhaltung. Und die ist offenbar so gründlich, dass selbst die engste Verwandtschaft in Schnappatmung verfällt. Holger Herrmann erzählte hinterher, seine Mutter habe ihn panisch angerufen, weil die Nachbarin in der Zeitung vom Geheimkonzert gelesen hatte. Die Sorge: Alles ist schiefgegangen, der Künstler ist verraten, die Presse zerstört die Überraschung. Die Wahrheit: Weder der Name noch der Ort waren genannt. Die Nachbarin hatte lediglich die Ankündigung gelesen, dass etwas stattfindet. Herzinfarkt, Mutter, Beruhigungspille, weiter geht’s.

Was bleibt nach 13 Jahren Geheimkonzert? Eine stehende Ovation im Eisenbahnmuseum. Standing Ovations, immerhin. Die Zöllner verabschiedeten sich mit „Käfer auf dem Blatt“ – was passender nicht sein könnte, denn im Schweriner Kultur-Establishment ist man selbst gerne mal ein kleiner Käfer auf einem sehr großen Blatt, das sich Stadt nennt.

Für alle, die 2027 auch dabei sein wollen: Die Karten gibt’s nicht zu kaufen. Man muss gefragt werden. Oder eine Verlosung gewinnen. Oder einfach genug Leute kennen, die jemanden kennen. In Schwerin geht das. Ist ja Provinz. Da kennt man sich.

Foto: Clyde works in Granville, NSW / Wikimedia Commons / Public Domain

Quellen: Nordkurier: 100 Gäste, kein Ticketverkauf und ein streng gehütetes Geheimnis

Quelle: Nordkurier Schwerin

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.