Kurioses

Schweriner Bauunternehmer schmeißt 40 Jahre hin: Wird jetzt Strandkorb-König von Boltenhagen

Schwerin hat einen neuen Helden der Midlife-Crisis. Jörn Saß, 40 Jahre lang Bauunternehmer mit eigener Firma, hat genug von Mörtel, Dreck und Auftragsbüchern. Sein neuer Arbeitsplatz: die Wohlenberger Wiek bei Boltenhagen. Statt Ziegelsteine schleppt er jetzt Strandkörbe. Statt Auftragsbestätigungen schreibt er Mietquittungen für FKK-Familien mit Kind und Hund.

Die Ostsee-Zeitung berichtet, dass der Schweriner nach vier Jahrzehnten auf dem Bau vor allem körperlich ausgebrannt war. Wir können uns das gut vorstellen. Wer jahrelang Klinkerfassaden mauert und nebenbei eine ganze Firma am Laufen hält, hat irgendwann einfach keinen Bock mehr auf Subunternehmer, Mahngebühren und Wetterfesteinladungen im November. Also: raus aus der staubigen Berufskleidung, rein in den Schnürkittel der Ostseefrisöse.

Eine Bucht, die das Herz heilt

Die Wohlenberger Wiek ist ein lauschiger kleiner Strandabschnitt nordwestlich von Boltenhagen, also ungefähr auf der Höhe, wo in Schwerin der Zippendorfer Strandbad-Park wäre, nur mit mehr Salz und weniger Parkautomaten. Wer hier einen Strandkorb mietet, will vor allem eins: Ruhe. Keine Ballermann-Musik, keine aufgerissenen Eistüten-Verpackungen auf dem Handtuch. Stattdessen Möwengeschrei und den Wind, der einem die Nordkurier-Werbung aus der Jackentasche pustet.

Saß ist übrigens nicht der erste Schweriner, der an der Ostsee seine Berufung findet. Die Region zwischen Wismar und Klützer Winkel gilt seit Jahren als bevorzugtes Rückzugsgebiet für Aussteiger, Projektemacher und Leute, die auf ihrer Visitenkarte nicht mehr „Geschäftsführer“ stehen haben wollen. Wohlenberg versteht das. Die Wohlenberger Wiek versteht das auch.

Vierzig Jahre auf dem Bau. Dann irgendwann der Knacks im Rücken. Irgendwann sagen die Bandscheiben: Du gehst jetzt an den Strand, Kollege.

Was die Schweriner Nachfolger-Generation daraus lernt

Wer jetzt denkt, der liebe Jörn hätte einfach in Rente gehen können, hat das Berufsethos eines Bauunternehmers nicht verstanden. Aufhören ist keine Option. Weitermachen, nur eben ohne Maurerkelle, das ist die Devise. Saß bewirtschaftet künftig bis zu 40 Strandkörbe in der Hauptsaison von Mai bis September. Fünf Monate arbeiten, sieben Monate frei. Wer mit 60 nochmal so ein Geschäftsmodell hinkriegt, hat den Nagel auf den Kopf getroffen – und diesmal im wahrsten Sinne des Wortes ohne Werkzeug.

Sein alter Laden, eine Baufirma mit Geschichte und schwerem Gerät, bleibt vermutlich in der Familie. Oder wird an den Meistbietenden verkauft. So oder so: In Schwerin wird mancher Bauherr in den nächsten Jahren etwas weicher mit dem Daumen über die Rechnung fahren – in der Hoffnung, dass die eigene Terrasse auch irgendwann von so einem strandkorbnden Ex-Kollegen gebaut wird.

Schwerin ist stolz. Wann hat man schon mal einen Bauunternehmer, der einfach mal macht, anstatt auf Meetings zu warten? Saß zeigt, wie man mit 60plus das zweite Berufsleben rockt. Möge der Ostseewind wehen, möge der Strandkorb klappen, möge das Bargeld klimpern. Wir drücken die Daumen – und empfehlen festes Schuhwerk im Kies.

Foto: Oliver Schröder / Pexels

Quelle: Ostsee-Zeitung (Bericht vom 23. April 2026)

Quelle: Google News Schwerin

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