Kurioses

Schwerin sucht das schönste Grab: Waldfriedhof ruft Hobby-Fotografen zum „Fundort Friedhof“

Wer in Schwerin einen schönen Nachmittag mit Kamera, Grablicht und Selbstreflexion verbringen möchte, hat jetzt offiziell einen Grund. Der Eigenbetrieb SDS – Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen ruft alle Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Kinder und Jugendliche, dazu auf, den Waldfriedhof fotografisch zu entdecken. Bis zum 30. Juni können Aufnahmen eingereicht werden, die den Ort als „Raum für Erinnerung, Ruhe und Natur“ zeigen. Wer schon immer mal den optimalen Bildausschnitt zwischen Hügelgrab und Hainbuche suchen wollte, bekommt nun Wettbewerbsdruck.

31 Hektar Ruhe, jetzt mit Jury

Der Waldfriedhof ist nicht irgendeine Grünfläche. Ganze 31 Hektar sucht der SDS nach stimmungsvollen Bildern ab: Bäume, Pflanzen, Grabmale, besondere Momente. Wer einen Sonnenstrahl auf einer verwitterten Inschrift einfängt, hat gute Chancen. Wer hingegen die Trauernden im Bild hat, hat schlechte – zumindest, wenn er keine Einwilligungserklärung dazulegt. Die hat der Wettbewerb explizit zur Pflicht gemacht, gemeinsam mit der Auflage, dass die Aufnahmen für einen Ausdruck im Format 30 mal 40 Zentimeter geeignet sein müssen. Pixel-Pixel, A4? Nein: Großformat-Trauermotive.

„Der Waldfriedhof ist nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein besonderer Grün- und Lebensraum mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Mit dem Wettbewerb möchten wir unterschiedliche Perspektiven auf diesen Ort sichtbar machen.“ – Jana Kuhlmann, SDS-Öffentlichkeitsarbeit

Eine Jury wählt die besten Aufnahmen aus. Alle Bilder – nicht nur die prämierten – werden am 13. September beim „Tag der Ruhe“ auf dem Waldfriedhof präsentiert. Man darf sich das vorstellen wie eine Vernissage, nur dass statt Sekt Veilchenwasser gereicht wird und die Models durchgängig auf dem Rücken liegen.

Preisgeld von der Feuerbestattung

Den finanziellen Anreiz liefert die Feuerbestattung Schwerin GmbH. Sie unterstützt den Wettbewerb mit Preisgeldern von 150, 100 und 50 Euro. Wer dasitzen und nachdenken will, warum ausgerechnet das ortsansässige Krematorium Friedhofsfotografie sponsert, kommt zu einem einfachen Schluss: Der Kunde von morgen soll sich schon zu Lebzeiten an den Standort gewöhnen. Marketing mit Grabstein-Hintergrund, quasi. Aber: 300 Euro für drei Preisträger ist ein Stundenlohn, den viele Trauerredner nicht erreichen.

Einzelpersonen dürfen bis zu drei Fotos einreichen, Gruppen, Vereine, Schulklassen und Kitas bis zu fünf. Eine pädagogische Komponente, die ihren eigenen Charme hat: Wer mit Zehnjährigen zwischen Reihen von Gräbern nach „besonderen Momenten“ sucht, kommt nicht umhin, auch über die Endlichkeit des Seins zu reden. Der SDS hat das vermutlich nicht so geplant, aber es passiert.

KI ausdrücklich verboten

In den Teilnahmebedingungen steht ausdrücklich: Künstliche Intelligenz darf weder bei der Erstellung noch bei der Bearbeitung der Fotos zum Einsatz kommen. Eine kuriose Klausel in einer Zeit, in der jedes dritte Instagram-Bild zumindest nachbearbeitet ist. Was der SDS damit verhindern will, ist klar: Niemand reicht ein KI-generiertes Foto von einem Engel auf einem Sonnenstrahl ein und kassiert 150 Euro. Was der SDS vermutlich nicht verhindern wird: Hobby-Fotografen, die mit Weitwinkel zwischen Rhododendronbüschen verschwinden, während im Hintergrund ein älterer Herr eine Kerze anzündet. Aber das ist Schwerin. Und Schwerin liebt nun mal Projekte, bei denen alle gleichzeitig traurig und kunstsinnig sein dürfen.

Wer mitmachen will: Bis 30. Juni einreichen. Wer nicht mitmacht, hat am 13. September wenigstens eine Ausstellung, durch die man spazieren kann – in Gedanken, versteht sich.

Bild: Andrew V / Unsplash

Quellen: SDS Schwerin, SN-Aktuell

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