Politik

Schwerin schaufelt sich frei: Ludwigsluster Chaussee wird mal wieder aufgebuddelt, diesmal bis Mittwoch – und die Pendler ahnen bereits, dass Mittwoch nur der Anfang ist

Schwerin – In der Ludwigsluster Chaussee wird seit Montag wieder gebaut. Nach Angaben der Stadt wird die Fahrbahn in Stand gesetzt. Klingt bekannt? Ist es auch. Denn in Schwerin ist das „Wieder Bauarbeiten“ mittlerweile der Normalfall. Die Stadt gleicht einer Dauerbaustelle mit angeschlossener Landeshauptstadt – ganz ähnlich wie beim kaputten Fußballfeld, das zwei Jahre für seine Sanierung brauchte.

Betroffen ist diesmal die Verbindung zwischen Ludwigsluster Chaussee und „An der Crivitzer Chaussee“. Die Fahrbahn ist halbseitig gesperrt. Stau ist möglich. Das Abbiegen aus der Crivitzer Chaussee in die Ludwigsluster ist weiterhin erlaubt – stadtauswärts in dem Bereich allerdings nicht. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich bis Mittwoch andauern. Wobei „voraussichtlich“ in der Schweriner Baustellen-Sprache soviel heißt wie „wir geben das Datum raus, damit die Leute ihre Google-Maps-Route planen, und verschieben es dann doch um drei Wochen“.

Seit dem vergangenen Jahr wird durchgehend gebaut

Wer jetzt denkt, das sei ein einmaliges Ärgernis, hat das Konzept nicht verstanden. „Schon seit dem vergangenen Jahr wird in der Ludwigsluster Chaussee gebaut. Dabei kam es immer wieder zu Sperrungen und Verkehrseinschränkungen.“ So steht es wörtlich im NDR-Bericht. Wer dort täglich lang muss, hat längst aufgehört zu zählen. Wer aus Parchim, Crivitz oder Sternberg anreist, kennt die Ausweichroute nach Lankow auswendig – inklusive der drei zusätzlichen Schlaglöcher, die man dort eingehandelt hat, weil die Stadt sich ja auf die Ludwigsluster Chaussee konzentriert.

Die Stadt spricht derweil von Instandsetzung. Das klingt nach Notwendigkeit. Ist auch Notwendigkeit. Aber dass dieselbe Straße innerhalb von zwölf Monaten gefühlt zum dritten Mal aufgemacht wird, lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder ist der Untergrund in Schwerin so schlecht, dass jeder Eingriff neue Schäden verursacht. Oder die Stadtverwaltung hat ein sehr eigenes Verständnis von „dauerhaft“. Beides wäre ein Fall für den Rechnungsprüfungsausschuss – sofern der nicht gerade selbst in der nächsten Fraktionssitzung sitzt und über ganz andere Summen debattiert.

„Ich fahre jetzt seit acht Jahren die Strecke. In dieser Zeit wurde die Ludwigsluster Chaussee gefühlt öfter aufgerissen als ich Geburtstag hatte. Ich habe mir mittlerweile einen Zweitwagen angeschafft – einen für die Baustellenzeit, einen für die Zeit dazwischen, falls die jemals kommt.“ – Anonymer Pendler aus Crivitz, der inzwischen seine Werkstattkosten über die Pendlerpauschale absetzt.

Landeshauptstadt mit Kleinstadt-Logistik

Die Ludwigsluster Chaussee ist eine der wichtigsten Ausfallstraßen Schwerins. Sie verbindet die Innenstadt mit dem Südosten der Stadt und führt in Richtung Ludwigslust, Parchim, Crivitz. Sie ist die Pendlerstrecke für Tausende Berufstätige, Schüler und Lieferanten. Wenn ausgerechnet auf dieser Achse seit über einem Jahr immer wieder gebaut wird, fragt man sich als mündiger Bürger, ob es in der Stadtverwaltung überhaupt eine zentrale Baustellen-Koordination gibt.

Die Antwort darauf kennt jeder, der schon mal versucht hat, vom Berliner Platz Richtung Krebsförden zu fahren: Es gibt keine. Es gibt ein Nebeneinander von Kanalbau, Glasfaser, Fahrbahnsanierung, Radwegeneubau und Versorger-Arbeiten, das sich gegenseitig auf die Füße tritt, ohne dass irgendjemand den Überblick behält. In Schwerin ist das kein Baustellen-Chaos. Es ist ein System – irgendwo zwischen Parkgebühren für nicht existierende Hallen und der Erkenntnis, dass selbst ein kaputtes Fußballfeld zwei Jahre bis zur Reparatur braucht.

Was die Tankstelle an der Ludwigsluster Chaussee angeht, bleibt sie laut Stadt auch während der Bauarbeiten erreichbar – eine kleine Information am Rande, die in der Hektik des Pendleralltags fast untergeht. Wer also dringend tanken muss, kann dies tun. Wer dringend pünktlich zur Arbeit will, hat Pech gehabt. Die Stadt empfiehlt: „Stau ist möglich.“ Mehr nicht.

„Die einen nennen es Instandsetzung. Die anderen chronische Vernachlässigung der Infrastruktur. Wir in der Werkstatt nennen es: verdientes Brot.“ – Kfz-Mechaniker aus Schwerin-Neumühle, dessen Auftragsbücher sich in den letzten zwölf Monaten gefüllt haben wie die Baustellen auf der Ludwigsluster.

Bis Mittwoch – und vermutlich darüber hinaus

Die offizielle Sprachregelung der Stadt: Bauarbeiten bis voraussichtlich Mittwoch. Realistisch betrachtet heißt das: Die Baustelle steht am Mittwoch noch, am Donnerstag wird umgeplant, am Freitag kommen die Wetterwarnungen, am Montag darauf geht’s weiter. Wer es anders erlebt, darf sich bei der Stadt beschweren – und in der nächsten Stadtvertretersitzung einen Antrag auf mehr Baustellenkoordination stellen. Personalkosten dafür sind ja im Haushalt bereits eingepreist.

Foto: Kevin Kandlbinder / Unsplash

Quelle: NDR

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