Wer in Schwerin seinen Frieden finden will, muss dafür neuerdings tiefer in die Tasche greifen – und zwar wortwörtlich. Die Stadt plant, die Friedhofsgebühren für die kommenden drei Jahre ordentlich anzuheben. Besonders heftig trifft es die Trauerhallen und Bestattungen: plus zwölf Prozent. Als Begründung werden steigende Betriebs- und Unterhaltungskosten vorgeschoben – also jene Art von Argument, die in jeder dritten Pressemitteilung aus dem Rathaus fällt, wenn man Bürgerinnen und Bürgern wieder einmal mehr Geld aus der Tasche ziehen will.
Die Grabnutzungsrechte steigen im Schnitt immerhin nur um etwa zwei Prozent – was im Klartext nichts anderes heißt, als dass man Schwerins Verwaltung durchaus zutraut, differenziert zu kalkulieren. Die Wahlgräber bleiben also einigermaßen bezahlbar, der Abschied in einer der Trauerhallen wird hingegen zur gehobenen Kategorie. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Handwerk schlägt Alarm
Kritik kommt ausgerechnet von dort, wo man sie am wenigsten erwartet hätte: von jenen, die das Geschäft mit dem Tod aus nächster Nähe kennen. Die Handwerkskammer Schwerin und die Landesinnung der Steinmetze und Steinbildhauer Mecklenburg-Vorpommern haben sich zusammengetan und schlagen Alarm. Ihre Sorge: Wenn Bestattungen insgesamt teurer werden, bleibt am Ende weniger Geld für den Grabstein, die Inschrift und die Bildhauerarbeiten übrig. Die trauernden Angehörigen sparen also nicht an Pietät – sie sparen an dem, was pietätloserweise „Beiwerk“ heißt, obwohl es das ist, was den Ort überhaupt erst zu einem Ort der Erinnerung macht.
Die Handwerkskammer fordert eine Arbeitsgruppe, in der alle Beteiligten – Stadt, Bestatter, Steinmetze, Bürger – an einen Tisch kommen. Ein fast revolutionärer Vorschlag in einer Verwaltungstradition, die Planungen gerne im stillen Kämmerlein ausarbeitet und anschließend in den Hauptausschuss drückt. Der Hauptausschuss tagt am Dienstagabend – und es bleibt zu hoffen, dass die Stadtvertreter mehr als nur zustimmen oder ablehnen. Fragen stellen wäre schon ein Fortschritt.
„Sterben in Schwerin ist kein billiges Vergnügen mehr – und die Trauer schon gar nicht.“
Zwölf Prozent auf den letzten Weg
Was wie eine sachliche Gebührenanpassung daherkommt, ist in Wahrheit ein weiteres Mosaiksteinchen in der Schweriner Realität: Alles wird teurer, nur die Gehälter bleiben, wie sie sind. Wer sich heute schon Sorgen macht, ob die Rente im Alter reicht, darf sich ab 2027 zusätzlich Sorgen machen, ob die Bestattung im engsten Familienkreis noch bezahlbar bleibt. Die Stadt Schwerin hat offenbar erkannt, dass der Tod eine äußerst verlässliche Einnahmequelle ist – die Kundschaft kann ja schlecht woanders hingehen.
Immerhin: Die Stadt spricht von einer Anpassung, nicht von einer Erhöhung. Klingt freundlicher. Kostet trotzdem mehr.
Foto: Myrabella / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Quelle: NDR
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