Manchmal muss man die Phantasie einfach loben. Die Stadt Schwerin hat eine neue Disziplin erfunden: Parkgebühren für Dinge, die es noch gar nicht gibt. Konkret: 500.000 Euro im Jahr soll die Kasse der Lambrechtsgrund-Radsporthalle klingeln, obwohl an dieser Radsporthalle bisher vor allem eines fertig ist – die Verzögerung.
Ab Oktober soll Parkscheine ziehen, wer sein Auto auf dem Areal abstellt. Gebühr wird fällig. Nur: die Halle selbst? Die ist noch nicht da. Klassischer Fall von „Wir kassieren schon mal, gebaut wird später“. Vielleicht ist das die neue Schweriner Variante von Vorausdenken – erst das Geld, dann die Infrastruktur, irgendwann der Sport.
500.000 Euro Einnahmen pro Jahr erwartet die Stadt – die Radsporthalle ist da eher Nebensache.
Cashflow vor Bauflow
Man stelle sich das einmal vor: Spaziergänger laufen über eine Wiese, schauen auf eine Bauruine und bekommen den Strafzettel aus dem Automaten gleich mitgeliefert. „Lieber Bürger, Ihre Parkgebühr wurde trotz fehlender Halle erfolgreich abgebucht. Die Halle wird nachgereicht, sobald der Architekt aus dem Urlaub zurück ist.“
Was für eine Message an die Schweriner:innen. Egal ob Radsporthalle, Schwimmbad oder Schloss – solange die Parkfläche steht, steht auch der Rubel. Wer jetzt noch auf die Idee kommt, eine Baustelle als „flächendeckende Einnahmequelle“ zu beantragen, wird im Rathaus offene Türen einrennen. Die haben Übung darin.
Immerhin: Sollte die Halle irgendwann tatsächlich stehen, ist der Parkraum dann schon eingespielt, finanziert, automatisiert. Das nennt man wohl nachhaltige Stadtplanung – nachhaltig zahlend, versteht sich.
Foto: John Phelan / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: Schwerin-Lokal.de
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