Willkommen in Schwerin, wo man sich jetzt einen goldenen Knopf ans Gleis kleben darf – nach zwanzig Jahren auf Verschleiß gefahren. Die Nahverkehrsgesellschaft NVS kündigt an, bis 2030 rund 30 Millionen Euro in das Schienennetz der Landeshauptstadt zu pumpen. Das Geld stammt etwa zur Hälfte aus Bundesmitteln – 15,6 Millionen Euro wurden am Freitag von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) feierlich in Form eines Zuwendungsbescheids überreicht.
Aktuell wird die Franz-Mehring-Straße bis zum Platz der Freiheit erneuert. Das ist die erste Großbaustelle in einer Reihe, die den Schwerinern in den kommenden Jahren reichlich Geduld abverlangen wird. Nach dem Sommer 2026 geht es in der Wismarschen Straße weiter. Und wer am Hauptbahnhof künftig nicht mehr auf der Straße, sondern auf einem neuen Gleisbogen fahren soll, muss sich noch etwa zwei Jahre gedulden.
Zwanzig Jahre Verschleiß – das ist kein Zufall, das ist Strategie
NVS-Chef Thomas Schlüter brachte es bei der Übergabe des Bescheids auf den Punkt: „Seit etwa 20 Jahren werde das Schweriner Schienennetz auf Verschleiß gefahren. Mit anderen Worten: Man hat jahrelang gewartet, bis es so richtig teuer wird. Klassische kommunale Haushaltsführung – investieren, wenn es gar nicht mehr anders geht, und dann so tun, als wäre man plötzlich großzügig.
Wer 20 Jahre lang die Schienen verrotten lässt, darf sich nicht wundern, wenn am Ende 30 Millionen fällig werden. Das ist kein Investitionsstau, das ist ein politisches Versäumnis mit Ansage.
Was die Schweriner jetzt erwartet
Drei große Baustellen stehen auf dem Plan: Franz-Mehring-Straße (läuft schon), Wismarsche Straße (ab Sommer 2026) und der Hauptbahnhof (in etwa zwei Jahren). Wer regelmäßig mit der Straßenbahn fährt, sollte sich auf Umleitungen, Verspätungen und Ersatzverkehr einstellen – kurz: auf das, was Schwerin von seiner NVS gewohnt ist.
Immerhin: Am Ende sollen die Gleise am Hauptbahnhof nicht mehr auf der Straße mitrollen, sondern einen eigenen Bogen bekommen. Das klingt erst mal nach Vernunft. Bleibt die Frage, warum das nicht schon vor zwanzig Jahren kam, als die Straßen noch ganz waren.
Foto: Diliff / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: NDR
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