Schwerin. Wer in den nächsten Tagen gegenüber vom Schweriner Dom griechisches Flair sucht, wird am „Dionysos“ nicht vorbeikommen – buchstäblich. Das neue Restaurant in der Puschkinstraße öffnet am Montag um 11 Uhr seine Türen. Kulinarisch setzt das Küchenteam auf authentische griechische Küche, das Interieur ist stimmig, die Eröffnungsparty steht in den Startlöchern. Was fehlt? Wein. Bier. Ouzo. Also im Grunde alles, wofür der Name „Dionysos“ steht.
Wie das schwerin.news berichtet, haben die Betreiber in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet, eingerichtet, abgestimmt und vorbereitet. Sechs Monate Anlauf, Umbauarbeiten, Genehmigungen, Abstimmungen, organisatorische Schritte – und am Ende fehlt ausgerechnet die Schankgenehmigung. Die soll zwar nachgereicht werden, aber pünktlich zum Zapfhahn reicht es eben nicht.
Hauptsache, das Olivenöl ist genehmigt
Wer in Schwerin ein Restaurant eröffnen will, muss offenbar zwischen „Speisegenehmigung“ und „Schankgenehmigung“ wählen – als wäre die Kombination ein Verstoß gegen die öffentliche Ordnung. Während in Athen ein Wirt den Herd anwirft und am Abend Wein ausschenkt, bevor die obligatorische Diskussion mit dem Nachbarn überhaupt begonnen hat, braucht die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ein Semester.
Eine Schweriner Passantin, die in der Puschkinstraße unterwegs war und von der Eröffnung erfuhr, reagierte mit der für die Region typischen Mischung aus Gelassenheit und Ironie: „Hauptsache, das Olivenöl ist amtlich geprüft. Beim Wein vertrauen wir dann halt auf griechische Importeure, die Post und auf den lieben Gott der Schankgenehmigungen.“
„In Athen schenkt der Wirt Wein aus, bevor der Stuhl steht. In Schwerin steht der Stuhl – aber die Flasche bleibt zu. Bürokratie kennt eben kein Feuer.“
Stammgast aus der Schweriner Innenstadt
Dionysos ohne Dionysos
Dabei trägt der Laden den Namen eines griechischen Gottes, der unter anderem für Wein, Fruchtbarkeit und ausgelassene Feste steht – also für alles, was in einer Schankgenehmigung steht. Der Witz der Geschichte: Ausgerechnet diesem Gott verwehrt die Schweriner Verwaltung das, wofür er zuständig ist. Der antike Gott des Weins darf in Schwerin vorerst nur Wasser und Traubensaft anbieten. Ob das die Götter des Olymps als Hohn oder als Schikane verstehen, ist nicht überliefert.
Das „Dionysos“ will ab Montag von 11 bis 22 Uhr öffnen – solange, bis die fehlende Genehmigung kommt. Die Resonanz aus einer Vorveranstaltung sei „durchweg positiv“ gewesen, heißt es. Die Leute kamen, haben das Konzept gelobt, die Atmosphäre genossen und taten das, was man in Schwerin halt tut, wenn Alkohol fehlt: Wasser trinken, Auberginen loben und hoffen, dass die Behörde einsieht, dass ein griechisches Restaurant ohne Wein ein bisschen wie ein Schwimmbad ohne Wasser funktioniert.
Willkommen in der Hauptstadt
Die Landeshauptstadt von MV zeigt damit einmal mehr, wofür sie steht: Eine Verwaltung, die selbst dem antiken Gott des Weines die Flasche vorenthält. Während draußen vor dem Dom Spaziergänger flanieren und Touristen Selfies machen, kämpft drinnen das Team des „Dionysos“ mit Formularen, Anträgen und einer Schankgenehmigung, die noch nicht einmal das Datum des Eintreffens kennt.
Immerhin: Die Eröffnungsparty ist bereits geplant. Sobald die Genehmigung vorliegt, soll nachgefeiert werden. Bis dahin gilt in der Puschkinstraße: Gyros mit Traubensaft, Souvlaki mit Wasser, griechische Lebensfreude mit ordnungsgemäßem Antrag. Willkommen in Schwerin, der Hauptstadt, in der Dionysos erst mal trocken bleibt.
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Foto: Stratiya Stratiev / Unsplash
Quelle: schwerin.news
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