Schwerin – Es hätte so schön werden können. Der Sommer naht, die Seen glitzern, die Landeshauptstellung lockt Touristen an. Doch wer in den nächsten Wochen mit dem Auto in die Innenstadt will, muss starke Nerven mitbringen – oder besser: gleich das Fahrrad aus dem Keller holen. Denn die Stadt hat sich für den Juli ein Sperr-Programm verordnet, das selbst eingefleischte Stau-Profis ins Schwitzen bringt.
Den Auftakt macht der Platz der Jugend: Ab Montag, 29. Juni, werden dort Weichen erneuert – eine Arbeit, die in anderen Städten an einem Wochenende erledigt wird, in Schwerin aber monatelang dauert. Vom 11. Juli bis 3. August ist der Abschnitt zwischen Goethestraße und Graf-Schack-Allee komplett dicht. An gleich vier Wochenenden fährt dort nicht mal mehr die Straßenbahn: Schienenersatzverkehr regiert.
Fernwärme-Baustelle Heinrich-Heine-Straße: Zwei Monate Sperrung
Während sich die einen Autofahrer noch durch die Innenstadt kämpfen, dürfen die anderen zwei Monate lang gar nicht erst in die Nähe der Heinrich-Heine-Straße. Wegen Fernwärme-Arbeiten der Stadtwerke Schwerin ist der Abschnitt zwischen Wittenburger Straße und Hausnummer 12 ab dem 29. Juni voll gesperrt – und das voraussichtlich bis Ende August. Die Einbahnstraßenregelung wird aufgehoben, was Anwohner als „kreative Lösung“ feiern und Pendler als „reine Verzweiflung“ verfluchen.
Auch die Marie-Curie-Straße ist ab Montag dicht – wegen Breitbandausbau. Die Umleitung führt über die Eulerstraße, was Autofahrer, die den Schleichweg kennen, zu schmunzelnden Kommentaren verleitet: „Da fahren wir seit Jahren dran vorbei – und jetzt sollen wir das plötzlich offiziell?“, wundert sich ein Anwohner, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. (schwerin)
„Wenn du in Schwerin im Juli irgendwo pünktlich ankommen willst, fang am besten eine Stunde früher an. Oder du ziehst in eine Stadt mit funktionierender Infrastruktur. Beides hilft.“
Töpfermarkt und Fünf-Seen-Lauf: Auch Volksfeste machen dicht
Als wäre der Dauer-Stau nicht genug, sorgen Anfang Juli auch noch Veranstaltungen für Sperrungen. Am 4. und 5. Juli wird der Markt zwischen 10 und 18 Uhr für den Autoverkehr gesperrt – wegen des Töpfermarkts. Wer zur Schusterstraße will, muss den Umweg über die Schloßstraße in Kauf nehmen. Zeitgleich macht der Fünf-Seen-Lauf den Schleifmühlenweg, den Paulshöher Weg und die Tannhöfer Allee zur Sackgasse.
Die Ironie: Eine Stadt, die ohnehin schon unter Besuchermangel und dem Ruf leidet, eine der langsamsten Landeshauptstädte Deutschlands zu sein, baut sich im Juli gefühlt selbst zu. Während der Rest von MV den Sommer feiert, kämpft Schwerin mit Baustellen, Sperrungen und einer Infrastruktur, die mehr Löcher hat als das Schweriner Schloss Gewölbe.
Immerhin: Die Nordkurier-Übersicht zeigt, dass zumindest alle Sperrungen zentral angekündigt werden. Bleibt zu hoffen, dass die Schweriner Verkehrsplanung im August wieder zur Besinnung kommt – und die Stadt zumindest halbwegs erreichbar bleibt.
Foto: Alain ROUILLER / Unsplash
Quelle: Nordkurier
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