Willkommen in der Landeshauptstadt, in der kulturelle Bildung künftig noch mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Wie aus einer Vorlage der Verwaltung hervorgeht, plant die Stadt eine Erhöhung der Musikschulgebühren. Der Clou: Während der Unterricht für Schweriner Kinder leicht steigt, sollen ausgerechnet die Familien aus dem Umland – also aus den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte – künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Wer in Crivitz, Plau am See oder Bützow wohnt und sein Kind in der Schweriner Musikschule anmeldet, darf sich auf saftige Aufschläge einstellen.
Kultur ja, aber bitte mit Stadtadresse
Die offizielle Begründung: Eine stärkere Differenzierung zwischen Hauptstadt- und Umland-Kindern sei „haushalterisch geboten“. Wer außerhalb der Stadtmauern wohnt, soll künftig den vollen Satz zahlen, während Schweriner Familien weiter subventioniert werden. Klingt erstmal nach kommunaler Fürsorge für die eigenen Bürger. Ist in Wahrheit aber ein ziemlich dreister Schlag ins Gesicht all jener Eltern, die seit Jahren den Weg in die Landeshauptstadt auf sich nehmen, damit ihr Kind überhaupt vernünftig Klavier, Geige oder Trompete lernen kann. Auf dem Land gibt es keine Musikschule. Punkt.
Die Konsequenz ist so absehbar wie ärgerlich: Familien aus dem Umland werden ihre Kinder schlicht abmelden. Die Musikschule verliert Schüler, Einnahmen brechen weg, die Stadt argumentiert anschließend mit rückläufigen Anmeldezahlen und kürzt das Angebot. Das ist die klassische Schweriner Selbstzerstörungsspirale, diesmal im Dreivierteltakt.
Mein Sohn fährt seit drei Jahren zweimal die Woche mit dem Bus nach Schwerin in die Geigenstunde. Wenn die Gebühr jetzt um die Hälfte steigt, können wir uns das nicht mehr leisten. Dann bleibt halt das Smartphone.
Mutter aus Hagenow
Bildungspolitik mit dem Rasenmäher
Die Stadt argumentiert gern mit dem „Konsolidierungskurs“. Aber wer spart an den Kindern, die ein Instrument lernen wollen? An den Familien, die ohnehin den längsten Weg haben? In keinem anderen Landeshauptstadt-Vergleich wird kulturelle Bildung so konsequent zur Privatsache erklärt wie hier. Die Musikschule soll bitte schön kostendeckend arbeiten, aber das Schwimmbad, das Theater, die Stadtbibliothek – alles darf subventioniert werden. Hauptsache, im Haushalt sieht die Zahl am Ende des Jahres ein bisschen weniger rot aus.
Was die Verwaltung offenbar nicht bedacht hat: Eine Musikschule lebt von Vielfalt. Wenn nur noch die Kinder aus gutsituierten Schweriner Haushalten kommen, stirbt auf Dauer genau das, was eine Musikschule ausmacht – die Mischung, das gemeinsame Musizieren, die Begegnung. Schwerin macht es sich wieder einmal selbst kaputt, diesmal mit der Musikantengarderobe. Die Betroffenen werden es ausbaden, die Verwaltung wird in zwei Jahren erklären, dass man die Erhöhung „evaluieren“ müsse, und die CDU wird im Landtag beklagen, dass die Landeshauptstadt ihre kulturelle Strahlkraft verliert. Willkommen in Schwerin. Hier spielt die Musik – solange man sie sich leisten kann.
Bildquelle: Luwadlin Bosman / Unsplash
Quelle: Ostsee-Zeitung: Schwerin will Gebühren für Musikschule erhöhen – besonders für Kinder aus dem Umland
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