Gesellschaft

Schwerin braucht jetzt offenbar auch noch einen Konzertsaal

Schwerin hat bekanntlich alles, was eine Landeshauptstadt braucht: ein Schloss auf einer Insel, sieben Seen, ein Staatstheater mit eigener Intendanz, eine eigene Staatskanzlei und jetzt — Trommelwirbel — demnächst vermutlich auch noch einen Konzertsaal. Möglich machen soll das ein Verein von Musikerinnen und Musikern der Mecklenburgischen Staatskapelle, die sich Ende 2025 zusammengetan haben, um für ein eigenes Haus zu trommeln. Die Stadtvertretung berät jetzt über eine Machbarkeitsstudie.

Ein gemeinsamer Antrag von CDU, SPD, Linken sowie der Fraktion Unabhängige Bürger/FDP sieht vor, die Voraussetzungen für eine entsprechende Untersuchung zu schaffen. Parallel liegt ein Ersetzungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI vor. Man darf also getrost sagen: Wenn selbst in dieser Konstellation vier Fraktionen an einem Strang ziehen, muss die Lage entweder ernst oder die Sitzung schon sehr lang gewesen sein.

Lücke im Angebot — zwischen Stadion und Schlosskonzert

Die Antragsteller führen zur Begründung an, dass zwischen kleineren Sälen und der Sport- und Kongresshalle eine Lücke bestehe. Schwerin verfüge über ein bedeutendes kulturelles Leben, es fehle aber ein Haus mit 550 bis 750 Plätzen, wie es schwerin-lokal.de berichtet. Als mögliche Kooperationspartner werden neben der Staatskapelle die NDR-Klangkörper, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das Mecklenburgische Staatstheater, das Konservatorium Schwerin und das Landesjugendorchester MV genannt — also im Grunde die halbe Kulturlandschaft des Landes.

Übersetzt in die Sprache derjenigen, die abends auf der Schlossinsel spazieren: Die Lücke besteht darin, dass das Staatstheater intakt ist, der Dom voll wird, wenn der Kantor will, und die Kongresshalle vor allem dann funktioniert, wenn auf der Bühne Comedy gespielt wird oder die FDP ihren Landesparteitag abhält. Für ein klassisches Konzert im großen Rahmen fehle es an einem adäquaten Rahmen — wobei der Marstall am Schloss rein optisch eigentlich schon das richtige Format hätte, nur leider nicht die Akustik.

Stadt zuckt die Schultern, Land soll zahlen

In der Stellungnahme der Stadtverwaltung klingt Begeisterung durch, allerdings auf schwerinisch: Man teile den Befund, dass eine Lücke bestehe — nur sei man „derzeit nicht in der Lage, den erforderlichen Rahmen für eine entsprechende Machbarkeitsstudie bereitzustellen“. Mit anderen Worten: Findet sich super, machen wir gern, zahlt aber bitte wer anders. Die Verwaltung verweist erwartungsgemäß auf das Land Mecklenburg-Vorpommern oder Dritte.

Wir haben kein Geld für die Studie, die prüfen soll, ob wir das Geld für das Projekt haben, für das wir das Geld nicht haben. Bitte überweisen Sie an das Land.

Die Fraktionen betonen, die Studie solle ausdrücklich „ergebnisoffen“ angelegt sein und keine Vorentscheidung über einen Bau treffen. Was natürlich die Frage aufwirft, warum man das Ergebnis einer ergebnisoffenen Prüfung nicht abwartet, bevor man Anträge stellt — aber das wäre ein anderes Stadtverständnis.

Immerhin: Als mögliche Standorte werden mehrere Varianten geprüft, darunter das Marstallgelände am Schloss. Damit würde Schwerin am Ende vermutlich einen Konzertsaal direkt neben dem Schloss bekommen, in dem bereits seit Jahrhunderten klassische Musik gespielt wird. Man könnte die Sache also auch abkürzen und das Staatstheater einfach zwei Flügel weiter öffnen — aber das wäre, mit Verlaub, zu einfach für eine Landeshauptstadt mit 96.000 Einwohnern, die sich gerade anschickt, eine UNESCO-Welterbestätte mit eigenem Konzertsaal auszustatten, als gäbe es kein Morgen.

Die Stadtvertretung wird sich in den kommenden Sitzungen mit dem Thema befassen. Ob das Geld für die Studie dann vom Land kommt, vom Verein, von der Bundesregierung oder aus dem Portemonnaie eines spendablen Ehrenbürgers, ist Stand heute offen. In Schwerin ist man bei offenen Fragen ja Erfahrungsträger.

Foto: Wolfgang Weiser / Pexels

Quelle: Schwerin-Lokal

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