Schwerin. Landeshauptstadt. 98.308 Einwohner. Und ab dem 22. August auch offiziell im Besitz eines Honigmarktes. Der erste seiner Art, versteht sich. Als hätte irgendjemand in Parchim den Schwerinern zugeflüstert: Ihr habt doch auch Bienen, warum verkauft ihr den Honig nicht einfach selbst? Gesagt, getan. Nun also: 1. Schweriner Honigmarkt, Klöresgang in den Schweriner Höfen, 9 bis 16 Uhr. Sieben Stunden, in denen Schwerin beweisen will, dass es zu mehr taugt als zu Schloss, See und Schwesig-Besuchen.
Wir haben jetzt einen Honigmarkt. Wismar hat schon lange einen. Aber immerhin: Wir haben auch einen.
— Imkerin Diana Sperber, Schweriner Imkerverein „Am Krebsbach“
Hobby-Imker mit Hofnarr-Programm
Was den neuen Markt vom Wismarer Pendant unterscheidet, ist im Grunde genommen nichts — bis auf den Ehrgeiz der Veranstalterin, ausschließlich Hobby- und Freizeitimkern aus der Region eine Bühne zu geben. Keine Berufsimker mit Hochglanz-Etiketten, sondern Menschen, die in ihrer Kleingartenanlage zwischen Schwerin und Parchim ein paar Völker halten und gelegentlich mehr Honig haben, als die Nachbarn am Gartenzaun vertragen können.
Diana Sperber heißt die Frau, die das Ganze stemmt. Sie ist Imkerin, kümmert sich seit einem Jahr mit ihrem Mann Hendrik ehrenamtlich um die Bienen im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß und ist extra in den Förderverein eingetreten, damit die Stöcke dort auch im nächsten Winter wieder summen. Wenn das kein Bekenntnis ist. Der Imkerverein Parchim hatte ursprünglich die Idee, weitere Vereine aus Schwerin und Umland sprangen auf — und fertig ist die regionale Honig-Offensive. So geht Marktwirtschaft. In MV. Sehr regional. Sehr langsam. Aber immerhin.
Angeboten werden Honigsorten in „allen Gelbtönen“ — was allein schon ein Qualitätsversprechen ist, das Discounter in ganz Deutschland in arge Erklärungsnot bringen dürfte. Dazu Met, Likör, Kerzen aus Bienenwachs, Säfte von einem Demeter-Hof. Wer will, kann sich erklären lassen, wie man einen Bienenschwarm einfängt. Wer nicht will, geht halt durch die Schweriner Höfe und schaut sich die leerstehenden Lädchen an. Geht auch.
Warum erst jetzt? Eine Spurensuche
Es ist ja nicht so, dass Schwerin bislang keine Imker gehabt hätte. Die Frage ist eher: Warum hat es Jahrzehnte gedauert, bis die auf die Idee kamen, sich selbst zu vermarkten, statt den Honig an Verwandte, Nachbarn und Kollegen zu verscherbeln? Antwort: Es fehlte offenbar jemand, der den Anstoß gab. In diesem Fall Parchim. Was die Sache vollendet. Denn wenn Schwerin etwas braucht — eine Idee, einen Anstoß, ein Konzept, einen Haushalt —, dann kommt es von außerhalb. Früher kam es aus Berlin. Heute kommt es aus Parchim. Parchim! Es geht bergab, aber konsequent.
Immerhin: Mit dem Honigmarkt hat Schwerin jetzt eine Attraktion, die in keinem Reiseführer steht, die nicht BUGA 2009 ist, die nichts mit dem Schloss zu tun hat und trotzdem — oder gerade deshalb — funktionieren könnte. Man darf gespannt sein, ob am 22. August tatsächlich jemand aus Rostock, Hamburg oder Berlin den Weg in den Klöresgang findet. Die Schweriner selbst werden kommen. Wegen des regionalen Goldes. Oder weil es endlich mal wieder was zu schauen gibt. Ist ja nicht so, als gäbe es alle naselang was in dieser Stadt.
Wermutstropfen für alle, die jetzt ihren Samstag planen: Der Termin liegt mitten in der Urlaubszeit. Diana Sperber selbst sagt, dass ihr „durch die Urlaubszeit ein paar Imker durch die Lappen gehen“ werden. Es fehlt also auch im 1. Jahr des 1. Schweriner Honigmarkts nicht an Schwerin-typischen Pannen. Einer muss es ja tragen. Gewohnt souverän, gewohnt chronisch unterversorgt. Aber immerhin: Es gibt Honig. In allen Gelbtönen. Einer weniger für die Liste der Dinge, die in Schwerin fehlen.
Foto: Dguendel / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Quellen: Nordkurier
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