Wenn eine Stadtvertretung den eigenen Sportplatz offiziell als „schlechtesten Platz der Stadt“ bezeichnet, dann darf man das durchaus als Eingeständnis werten. Die Fraktion der Unabhängigen Bürger und der FDP in Schwerin hat jetzt einen Antrag eingebracht, der genau das festhält — und im selben Atemzug die nächsten zwei Jahre verstreichen lässt, bevor überhaupt etwas passiert.
Sanierung? Frühestens 2027
Der Rasenplatz in Neumühle, Heimstätte des Neumühler SV, soll umfassend saniert werden. Dafür setzt sich die UB/FDP-Fraktion in der Schweriner Stadtvertretung ein. Der Antrag: Die Stadt soll die notwendigen Mittel im Doppelhaushalt 2027/2028 einplanen. Der Oberbürgermeister wird gebeten, einen konkreten Finanzierungsvorschlag vorzulegen. Heißt im Klartext: Selbst wenn die Stadtvertretung dem Antrag morgen zustimmt, wird frühestens 2027 ein Spaten in den Boden kommen — wenn überhaupt. Wohlgemerkt: Es geht hier um ein einziges Fußballfeld, nicht um eine 20,5-Millionen-Euro-Sanierungsfall.
„Schlechtester Rasenplatz im Stadtgebiet“
Was an dem Platz kaputt ist, lässt sich am besten mit den Worten der Antragsteller zusammenfassen: Nach Einschätzung vieler Nutzerinnen und Nutzer gilt die Anlage „inzwischen sogar als der schlechteste Rasenplatz im gesamten Schweriner Stadtgebiet“. Übersetzt: Schwerins Sportler trainieren auf einem Acker, der diesen Namen nicht verdient. Unebenheiten, Abnutzungserscheinungen — Punktspiele werden zur Mutprobe, der Trainingsalltag zur Materialschlacht.
Die Qualität der Spielfläche habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert. Trainings- und Spielbetrieb seien dadurch erheblich eingeschränkt.
UB/FDP-Fraktion, Antrag zur Rasenplatzsanierung Neumühle
Besonders betroffen: der Neumühler SV. Der Verein zählt zu den größten Breitensportvereinen der Landeshauptstadt und engagiert sich „seit Jahren intensiv im Kinder- und Jugendsport“. Mit anderen Worten: Die Kinder, die in Schwerin Fußball spielen wollen, spielen ausgerechnet auf dem schlechtesten Platz der Stadt. Eine bemerkenswerte Visitenkarte für eine Landeshauptstadt mit 96.000 Einwohnern. Die Stadt selbst zeigt, wie Ehrenamt aussieht, wenn die Verwaltung es nicht macht — der Neumühler SV ist ein weiteres Beispiel dafür.
Flutlicht kommt, Rasen nicht
Dass überhaupt investiert wird, verdankt Neumühle dem Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ — einem Topf, der bundesweit 330 Millionen Euro umfasst. Die Stadt hat Mittel abgegriffen, um die Flutlichtanlage auf LED umzurüsten und einen neuen Ballfangzaun zu errichten. Beides ist löblich. Beides ändert nichts daran, dass auf dem Platz selbst seit Jahren nichts passiert. „An der grundsätzlichen Problematik des sanierungsbedürftigen Rasens ändern sie jedoch nichts“, schreiben die Antragsteller trocken.
Man fasst sich an den Kopf: Schwerin investiert in die Beleuchtung eines Platzes, der gar nicht mehr bespielbar ist. Das ist, als würde man den Auspuff eines Autos polieren, das nicht anspringt. Schön glänzend, praktisch wertlos.
Eine Stadt, in der Vereine warten
Der Antrag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt „seit Jahren mit angespannten Haushalten kämpft“ und „bei Investitionen zunehmend auf Fördermittel angewiesen ist“. Umso härter konkurrieren die Projekte um jeden Cent. In Schwerin warten nämlich nicht nur die Neumühler: Die SG Dynamo Schwerin kämpft seit Jahren für die Umwandlung eines Trainingsplatzes in Lankow in einen Kunstrasenplatz — bislang erfolglos. Die Sporthalle an der Reiferbahn, Heimstätte des SV Grün-Weiß Schwerin, soll mit Fördermitteln modernisiert werden: LED-Beleuchtung, Fluchttreppe, Dachsanierung. Alles geplant, nichts passiert.
Was die Liste eint: Überall fehlt Geld. Überall wird geplant. Nirgends wird gebaut. In einer Landeshauptstadt braucht ein Fußballplatz zwei Jahre Vorlauf, eine Sporthalle noch länger, ein Kunstrasen erst recht. Das ist keine Infrastrukturpolitik. Das ist das Verwalten eines Stillstands — derselbe Stillstand, der auch im 20,5-Millionen-Haushaltsloch sichtbar wird.
Wenn die Stadtvertretung morgen zustimmt
Die Aufstellung des Doppelhaushalts 2027/2028 ist bereits in einer fortgeschrittenen Phase. Eine frühzeitige Beschlussfassung, so die Antragsteller, sei notwendig — andernfalls „drohe eine weitere Verschiebung des Projekts“. Was die UB/FDP-Fraktion hier betreibt, ist also die Minimalversion kommunaler Infrastrukturpolitik: Schlimmeres verhindern durch Mitschreiben. Kein Konzept, kein Zeitplan, keine Garantie. Nur ein Antrag, der festhält, dass es so nicht weitergehen kann.
Für die Kinder und Jugendlichen des Neumühler SV heißt das: weitere zwei Jahre „schlechtester Platz der Stadt“. Falls das Wetter mitspielt. Falls der Rasen noch bespielbar bleibt. Falls die Stadt das Geld dann wirklich findet. In Schwerin ist „falls“ der häufigste politischen Modus.
Foto: Kampus Production / Pexels
Quelle: Schwerin-Lokal
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