Schwerin ist die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Hier sitzt die Regierung. Hier werden Gesetze gemacht, die das Leben von 1,6 Millionen Menschen im Land regeln. Hier residiert ein Ministerpräsident. Und ab dem 27. Juni um 20 Uhr gibt es in der Burgsee-Galerie keinen vollwertigen Supermarkt mehr. Der Rewe schließt. Vier Monate Sommerpause vom Einkaufen. Comeback erst im November – wenn überhaupt.
Was nach einer Randnotiz klingt, ist in Wahrheit ein historischer Moment. Die Burgsee-Galerie, immerhin eines der wenigen innerstädtischen Einkaufszentren der Landeshauptstadt, verliert ihren Hauptmagneten. Übrig bleiben: ein Drogeriemarkt, vielleicht noch ein Imbiss, und die Gewissheit, dass in Schwerin auch das Einkaufen zur Bürokratie verkommen ist. „Wir bauen für dich um“, steht auf einem großen Hinweisschild direkt im Eingangsbereich. Schön. Vier Monate Bauzeit, mitten im Sommer, in einer Stadt, in der die Sommer ohnehin schon kürzer sind als anderswo.
Vorbereitung läuft – Sortiment schrumpft
Wer in den vergangenen Wochen im Rewe-Markt der Burgsee-Galerie einkaufen war, dürfte sich über manche Lücken in den Regalen gewundert haben. Das Sortiment wirkte an einigen Stellen ausgedünnt, bestimmte Produkte waren nicht mehr erhältlich, die Verkaufsflächen sichtbar leerer. Die Vorbereitungen für den Umbau liefen offenbar bereits im Hintergrund – nur hat das halt keiner den Kunden gesagt. Stattdessen hieß es: Regale leerer, Auswahl kleiner, Hoffnung stirbt zuletzt.
Für viele Stammkunden kommt die Nachricht nicht überraschend. Sie haben den Niedergang Woche für Woche mit angesehen. Wer regelmäßig in dem Markt einkaufte, konnte live miterleben, wie das Sortiment Schritt für Schritt dezimiert wurde. Ein bisschen weniger hier, ein bisschen weniger da, bis am Ende nur noch das Nötigste übrig war. Wie der modernisierte Markt nach der Wiedereröffnung im November aussehen wird und welche Angebote den Kunden künftig zur Verfügung stehen werden, ist derzeit noch offen.
Vier Monate Sommerpause vom Einkaufen, mitten in der Landeshauptstadt. In keiner anderen Großstadt Mecklenburg-Vorpommerns wäre das ein Aufreger. In Schwerin ist es ein Mittwoch.
Landeshauptstadt, landeshauptstädtliches Einkaufen
Natürlich kann man einwenden: Es ist nur ein Supermarkt. Es gibt andere. Das stimmt – theoretisch. Praktisch bedeutet die Schließung für alle, die in der Innenstadt wohnen, auf dem Marienplatz arbeiten oder im nahe gelegenen Schelfstadt ihren Wocheneinkauf erledigen, einen spürbaren Einschnitt. Der Weg zum nächsten Vollsortimenter wird länger, der Einkauf wird zur Logistikaufgabe. Für mobilitätseingeschränkte Kunden, ältere Mitbürger, Familien ohne Auto ist das ein echtes Problem.
Man könnte auch sagen: Es ist die konsequente Fortsetzung einer Schweriner Tradition. Zuerst verschwinden die Läden, dann verschwinden die Kunden, dann wundert man sich, warum die Innenstadt leer ist. Die Burgsee-Galerie war eines der letzten funktionierenden innerstädtischen Einkaufszentren in Schwerin. Nach dem Rewe-Aus steht zu befürchten, dass die Galerie selbst zur Großbaustelle wird – im wahrsten Sinne des Wortes.
Vier Monate. In einer Landeshauptstadt, die sich „Schwerin ist geil“ auf die Fahnen geschrieben hat, ist das ein schlechtes Signal. Während anderswo über Belebung der Innenstädte, über Nahversorgung, über attraktive Stadtzentren geredet wird, schließt in MV der Hauptstadt der Hauptversorger einer der zentralen Einkaufsgalerien. Der Wiedereröffnungstermin im November ist übrigens ambitioniert. In Schwerin gilt: Was im Sommer versprochen wird, hält im Winter kein Mensch mehr in der Hand. So wie der Sommer selbst.
Foto: John Cameron / Unsplash
Quelle: Nordkurier
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