Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat am Samstag auf die Insel Poel eingeladen, um den Helfern zu danken, die im April in der flachen Kirchsee-Bucht vor Wismar tagelang um das Leben eines gestrandeten Buckelwals gekämpft haben. Der Wal überlebte die Aktion nicht. Die Helfer bekommen jetzt Grillwürstchen und Ehrenurkunden.
Ein Minister feiert die Helfer. Die Helfer hätten lieber den Wal behalten.
Was bleibt, ist die Haltung. Ministerien, die einen gescheiterten Rettungsversuch in ein bürokratisches Heldenstück umdeuten, indem sie Urkunden drucken lassen. Ein Grillfest als Akt der Staatsräson. 50 Menschen, die im April in der flachen Kirchsee-Bucht im Wasser standen, tagelang, frierend, mit dem Wissen, dass die Chancen mies sind, und die trotzdem hingegangen sind. Dafür bekommen sie jetzt eine Einladung mit dem Hinweis, dass das Fest ausdrücklich nicht öffentlich ist. Es steht auch nicht in der wöchentlichen Aktivitätenliste der Landesregierung. Das ist die offizielle Begründung der Nicht-Öffentlichkeit: kein Platz im Terminkalender der Welt.
Der Minister schreibt in seiner Einladung, es sei gemeinsam gelungen, „den in Kirchdorf gestrandeten Wal auf den Weg in seine Heimatgewässer zu geleiten“. Heimatgewässer. Der Wal wurde in einem gefluteten Lastkahn in die Nordsee transportiert. Bezahlt hat das eine private Initiative um den Media-Markt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Die Überlebenschancen: „sehr gering“, sagten Wissenschaftler damals. Wenige Tage nach der Freilassung nördlich von Skagen war Schluss. Am 14. Mai wurde der Kadaver vor der dänischen Insel Anholt gefunden.
Die Wissenschaft hatte abgeraten. Die Wirtschaft hat es trotzdem gemacht.
Die Aktion war von Anfang an hochumstritten. Meeresbiologen, Veterinäre, Tierschutzverbände: die Liste der Warner war lang. Der Wal sei geschwächt, ein Transport könne den Tod beschleunigen, hieß es. Es half nichts. Die Initiative um Gunz und Walter-Mommert machte es trotzdem, flankiert von Kamerateams, begleitet von einem Hype, der im April ganz Deutschland erreichte. Die Landesregierung hat sich nie offiziell von dem Alleingang distanziert. Sie hat ihn im Nachhinein eingemeindet. Backhaus sprach in seiner Einladung von einem „gemeinsamen Erfolg“.
Erfolg ist ein dehnbarer Begriff. Erfolg wäre gewesen, der Wal lebt. Stattdessen gibt es nun eine Urkunde, ein Foto mit dem Minister und ein Datum, an dem man sich erinnert. Die Helfer bekommen, was Helfer in Mecklenburg-Vorpommern bekommen, wenn das Ergebnis nicht stimmt: Würstchen, Worte und Wismar-Blick.
Was am Samstag auf Poel wirklich gefeiert wird
Insel Poel ist ein Ort, an dem im Sommer 1000 Touristen täglich ankommen, im Winter 0,5. Die Helfer werden am Samstag zwischen den Häfen von Kirchdorf und Timmendorf stehen, mit Blick auf die Bucht, in der der Buckelwal strandete. Die Urkunde wird vermutlich im Format A4 ausgedruckt sein, mit dem Landeswappen oben links. Die Würstchen sind noch nicht bestellt, soviel man weiß.
Die Pressestelle des Umweltministeriums war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie war mit der Vorbereitung des Festes beschäftigt. Das ist, wenn man es genau nimmt, die ehrlichste Begründung, die dieses Ministerium in den letzten Wochen geliefert hat. Man war beschäftigt. Nicht mit dem Wal, nicht mit der Bucht, nicht mit den Lehren aus der Aktion. Mit dem Fest. Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.
Das ist genau das, wofür wir aufgestanden sind. Neun Stunden im Wasser, ein Wal, der sich nicht retten lässt, und am Ende grillt der Minister mit uns Würstchen. Wer will da noch was sagen.
Angeblicher Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Poel
Foto: makabera / Pixabay
Quelle: t-online
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