Politik

Pizza-Connection jetzt auch in Schwerin: CDU und Grüne futtern sich warm, während Schwesig zuschauen darf

Sie kommt wieder, die Pizza-Connection. Diesmal nicht in Berlin-Moabit unter roten Vorhängen, sondern in Schwerin — wo seit dem Wochenende CDU- und Grünen-Politiker zwanglos Pizza essen gehen, als wäre es das Normalste der Welt. Ist es nicht. 1995 hat der damalige CSU-Generalsekretär Bernd Protzner den Namen geprägt, in Anspielung auf einen sizilianisch-amerikanischen Drogenring. Dreißig Jahre später ist die Pizza harmlos, der Beigeschmack nicht.

Die Ostsee-Zeitung berichtet in ihrem Newsletter vom 02.06.2026, dass „Politiker von CDU und Grünen zunehmend offen die Nähe zueinander“ suchten — „nicht nur in Berlin, sondern jetzt auch in Schwerin“. Weiter heißt es, diese neue Freundschaft könne es „am Ende vor allem für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (52, SPD) schwerer machen“. Was wie ein beiläufiger Satz klingt, ist in Wahrheit die Quittung dafür, dass die SPD in MV langsam anfängt, wie eine Mehrheit auszusehen, die keine mehr ist.

Schweriner Pizzerien als parlamentarische Hilfsorgane

Wer mit wem in welcher Pizzeria sitzt, wird in Schwerin gerade zur politischen Wetterkarte. Früher traf man sich in der Staatskanzlei. Heute trifft man sich da, wo der Belag stimmt — und wo der Belag stimmt, ist meistens auch der Standort des Mikrofons gleich um die Ecke. Die CDU bröckelt. Die Grünen suchen nach Profil jenseits des Berliner Kettner-Rahmens. Beide brauchen einander. In Berlin liefen die ersten Treffen 1995 unter dem Eindruck einer schwarz-gelben Wüste; in Schwerin läuft jetzt alles unter dem Eindruck einer landespolitischen Wüste — nur mit anderem Klima.

„Es gibt zwei Sortisten von Politikern in Schwerin. Die einen gehen in die Staatskanzlei, die anderen in die Pizzeria. Beide bestellen am Ende dasselbe: einen Belag, der Mehrheit verspricht.“

— Erfundener Stammgast aus dem Schlossgarten-Viertel

Schwesigs knusprige Restlaufzeit

Manuela Schwesig regiert in Schwerin mit einer Koalition, die in Berlin längst keiner mehr haben will. Die SPD-Basis ist unruhig, die Union bröckelt an den Rändern, und die Grünen sitzen in Pizzerien mit denselben Leuten, mit denen sie in der Küche der Staatskanzlei nie zusammen funktioniert haben. Aus Berliner Sicht ist das eine Nachricht aus der Provinz. Aus Schweriner Sicht ist es das Ende der Vorstellung, man könne eine Regierung einfach weiterlaufen lassen, bis der Aktenvernichter von allein kippt.

Die Ironie daran: Ausgerechnet die Stadt, die das Schweriner Schloss als Weltkulturerbe feiern will, schafft es nicht, ihre eigene Regierung in Würde zu Ende zu regieren. Während die Schlossinsel von Touristen umlagert wird, knuspern sich im Hintergrund die künftigen Mehrheitsbeschaffer ihre erste Pizza. Schwerin liefert mal wieder das beste Beispiel dafür, wie man eine Hauptstadt ist und trotzdem außen vor.

„Schwesig hat das Schloss, Schwesig hat die Seen, Schwesig hat den Wahlkreis. Was sie nicht hat, ist eine Mehrheit, die noch an sie glaubt. Das ist der einzige See, der ihr gerade abhandenkommt.“

— Erfundener Schweriner Wahlforscher, nach dem dritten Treffen

Pizzateig als Programm: Was bleibt vom Kompromiss?

Wer die Pizza-Connection für ein Berliner Modethema hält, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht — und der Wirt in Schwerin heißt nicht Oskar, sondern Mehrheit. CDU und Grüne haben in MV zusammen mehr Sitze als die SPD. Was im Landtag fehlt, ist nur noch die gemeinsame Brokkoli-Fraktion. Die Pizzeria ist das, was in alten Zeiten das Hinterzimmer war: Der Ort, an dem Politik gemacht wird, bevor sie offiziell wird. Schwerin hat das verstanden. Der Rest des Landes muss es nur noch lesen können.

Bleibt die Frage, wer am Ende die Rechnung bezahlt. Bei Pizza ist das einfach: Wer bestellt hat, zahlt. In der Demokratie ist es komplizierter — da bezahlt meistens der, der gerade nicht mit am Tisch sitzt. In Schwerin heißt dieser Jemand, Stand jetzt, Manuela Schwesig.

Bildquelle: Pinar Kucuk / Unsplash

Quellen: Ostsee-Zeitung: „Pizza-Connection“ in Schwerin · Frankfurter Rundschau: Hintergrund zur Pizza-Connection · Deutsche Welle: 30 Jahre Pizza-Connection

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