Politik

Pfeifer soll Stadtpräsidentin werden: Wenn die Verliererin der OB-Wahl plötzlich doch was gewinnt

Die Stichwahl ist vorbei, die Wunden sind frisch, und Sebastian Ehlers (CDU) hält schon die Ernennungsurkunde für das OB-Amt in der Tasche. Ab dem 6. Juli ist er offiziell neuer Oberbürgermeister von Schwerin. Was bleibt, ist die Frage: Wer führt künftig die Stadtvertretung? Die Antwort, soviel ist nach dem aktuellen Hickhack im Rathaus sicher, wird so spannend wie ein Provinzkrimi, nur ohne Mörder, ohne Waffe und ohne wirkliches Verbrechen. Außer der politischen Hygiene.

Die notwendigen Gespräche werden geführt. Es gibt aktuell nichts Nennenswertes zu berichten.

— Mandy Pfeifer, SPD-Fraktionschefin und designierte Stadtpräsidentin (so oder so ähnlich)

Postengeschacher mit Ansage

Mandy Pfeifer, die Ende April in der Stichwahl gegen Ehlers verlor, gilt als aussichtsreichste Kandidatin für das Stadtpräsidenten-Amt. Zwischen den Zeilen ist zu hören, dass die CDU sich vorstellen könnte, sie mitzutragen. Allerdings unter der klassischen Bedingung: Wenn die SPD den Stadtpräsidenten bekommt, will die CDU den ersten stellvertretenden Stadtpräsidenten. Derzeitiger Amtsinhaber: Daniel Meslien, SPD. Pikant, weil SPD und CDU sich gerade gegenseitig die Posten zuschieben, als würde die Stadtvertretung eine GmbH gründen, deren Geschäftsführer alle gleich heißen wollen: „Wichtig“.

Die Linken, die Pfeifer im OB-Wahlkampf unterstützt haben, senden bereits positive Signale. Vize-Fraktionschef Daniel Trepsdorf spricht von einer „Sympathie für Frau Pfeifer“ in seiner Fraktion — was ungefähr so klingt wie ein erstes Date, bei dem beide Seiten so tun, als wüssten sie nicht, was sie hier gerade tun. Zugleich stellt die Fraktion klar: Cordula Manow soll zweite stellvertretende Stadtpräsidentin bleiben. Die SPD sagt: Ja, gerne. Die CDU sagt: Hmm. Die Grünen sagen: Wir überlegen noch. FDP-Mann Manfred Strauß sagt, er warte „auf konkrete Personalvorschläge“ — und übersetzt sich selbst korrekt mit: „Beeilt euch, ich will auch was.“

Soweit der ganz normale Wahnsinn einer Stadtvertretung, in der jeder einen Posten will, keiner eine Idee hat und alle so tun, als wäre das ein politischer Prozess. Es ist halt einer. Nur eben einer, der aussieht wie eine Personalabteilung im Vorstellungsgespräch — nur ohne die Höflichkeit, sich zu bewerben.

Auch die AfD will mitspielen

Weil es in Schwerin nicht ohne die stärkste Fraktion geht: Die AfD reklamiert ebenfalls einen Platz im dreiköpfigen Präsidium der Stadtvertretung. Fraktionschefin Petra Federau hatte Anfang Mai angekündigt, die Partei werde sich „zeitnah“ positionieren. Eine Festlegung auf eine Person gebe es aber noch nicht, heißt es jetzt. Man darf das als höfliche Variante von „Wir reden noch“ lesen. Oder als die schwerinerischere Variante von „Wir warten ab, was die anderen uns anbieten“. Wissen wir auch nicht. Ist auch egal. Fakt ist: Sechs Stühle im Präsidium — also nicht, es sind drei, aber es fühlen sich sechs an — und alle wollen drauf.

Ehlers selbst, designierter OB, hält sich aus dem Personalkarussell raus. Er müsse erst am 3. Juli noch an der Landtagssitzung teilnehmen, dann am 6. Juli das OB-Amt antreten. Dass er bis zuletzt Landtagsabgeordneter bleibt, gehört zu den kleinen Bonbons der Demokratie: Man kann in Schwerin offenbar beides sein, fast alles auf einmal, und niemand beschwert sich. Außer der Steuerzahler. Aber der zählt nicht. Noch nicht.

Pfeifer gibt sich derweil souverän zurückhaltend. Die Entscheidung falle in der Stadtvertretersitzung am 29. Juni. Bis dahin wird geredet, getuschelt, gedeutet. Danach weiß man, wer welchen Stuhl bekommt. Und Schwerin ist wieder einen Schritt weiter — in der Frage, wie man Posten verteilt, ohne irgendwas an der eigentlichen Lage der Stadt zu verändern. Funktioniert seit Jahren. Wird auch 2026 funktionieren. Glück auf.

Foto: Ralf Roletschek / Wikimedia Commons / GFDL 1.2

Quellen: Nordkurier

Quelle: Nordkurier Schwerin

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.