Politik

NDR fragt im Schweriner Schloss nach, was der NDR eigentlich bringt – und errät es selbst: offenbar sehr viel

Schweriner Schloss, Donnerstagabend, 18. Juni, 19:30 Uhr. Der Norddeutsche Rundfunk hat zum „Parlamentarischen Abend“ geladen – jene feierliche Veranstaltung, die es in jedem Bundesland gibt und die immer, immer, immer mit demselben Satz endet: „Viel Zuspruch für den NDR.“ Diesmal war das Highlight ein 3-Minuten-Beitrag im Nordmagazin. Drei Minuten für ein Ereignis, das eine Pressemitteilung ist.

Was ist passiert? Der NDR hat Abgeordnete und politische Funktionsträger ins Schloss eingeladen. Die offizielle NDR-Selbstbeschreibung dieser Veranstaltung liest sich wie eine Gebrauchsanweisung für Betriebsfeiern: Man kommt, man isst Häppchen, man geht wieder. Inhaltlich leer, formal staatstragend. So wie es der NDR seit Jahrzehnten in allen seinen vier Bundesländern zelebriert – Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern. Vier Mal im Jahr dieselbe Show, vier Mal dasselbe Ergebnis.

Fragen über Fragen – alle schon beantwortet

Die zentrale Frage des Abends lautete laut Sendungstitel: „Welche Rolle spielt der NDR für MV?“ Das klang nach ehrlicher Selbstreflexion. War es aber nicht. Die Rolle, die der NDR für Mecklenburg-Vorpommern spielt, stand für alle Beteiligten schon vor dem ersten Häppchen fest: eine wichtige. Sehr wichtig. Außerordentlich wichtig. Das wurde dann auch genau so formuliert und im Nordmagazin-Beitrag zusammengefasst: „Viel Zuspruch für den NDR.“ Punkt. Aus. Drei Minuten.

Wer jetzt glaubt, das sei Satire: Nein. Das ist die offizielle NDR-Sprache. Eine Talkshow mit sich selbst, bei der die Gäste vorab gebrieft wurden, was sie zu sagen haben. Wer bei einem „Parlamentarischen Abend“ aufmuckt, fliegt halt nicht raus – er kommt halt nie wieder. Wer beim NDR-Rundfunkrat Kritik übt, darf sie in den nächsten drei Jahren in Protokollen nachlesen. (landespolitik)

„Viel Zuspruch für den NDR.“ – offizielles Fazit eines Abends, an dem niemand auch nur eine kritische Frage stellen durfte.

Schwerin, 96.000 Einwohner, vierte Liga der Selbstbestätigung

Schwerin ist Landeshauptstadt eines Bundeslandes, das den NDR aus dem Rundfunkbeitrag jedes Bürgers mitfinanziert. Rund 18,36 Euro im Monat, zwölf Mal im Jahr, pro Haushalt. Macht bei 96.000 Einwohnern und einer Haushaltsquote, die irgendwo zwischen 60 und 70 Prozent liegt, einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr – nur für den NDR. Dafür darf der NDR dann vier Mal im Jahr Abgeordnete einladen, um sich dafür zu bedanken, dass er bezahlt wird.

Was in Schwerin am Donnerstagabend wirklich stattfand, war eine Selbsthilfegruppe der anderen Art. Die Abgeordneten waren das Publikum, die NDR-Direktoren die Therapeuten, das Buffet der Gruppenraum. Alle haben geredet, alle haben genickt, am Ende gab es Applaus. Eine wunderbare Runde – nur leider ohne jeden journalistischen Mehrwert.

In Hamburg läuft es genauso. In Hannover. In Kiel. Die Veranstaltungsreihe „Parlamentarischer Abend“ ist keine Debatte, sie ist eine Art Briefmarkensammlung: vier identische Alben, alle gleich wertvoll, alle gleich unbenutzt. Niemand will sie wirklich haben, aber alle freuen sich, wenn sie da sind.

Wenn der Sender über sich selbst berichtet

Das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Abend ist nicht der Abend selbst. Es ist die Berichterstattung darüber. Der NDR hat den Abend veranstaltet und der NDR hat den Abend dokumentiert. Drei Minuten lang. Ohne kritische Einordnung, ohne externe Stimmen, ohne den Hinweis, dass sich hier ein gebührenfinanziertes Unternehmen selbst feiert.

Wer kontrolliert eigentlich einen Sender, der sich selbst kontrolliert? Der Sender. Es gibt in MV zwar einen NDR-Rundfunkrat, aber der ist zu etwa 80 Prozent mit Vertretern besetzt, die der NDR selbst über die Vorschlagslisten der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen mitbestimmt. Wer dort sitzt, hat in der Regel ein Interesse daran, dass die Kritik am NDR klein bleibt. Sonst wäre er nicht dort.

Was bleibt nach diesem Abend im Schloss? Eine Pressemitteilung, die länger ist als der Fernsehbeitrag. Ein „Viel Zuspruch“, das in die Akten geheftet wird. Und für Schwerin der Beweis, dass auch eine Landeshauptstadt mit 96.000 Einwohnern es schafft, sich einmal im Jahr als Hauptstadt der Selbstbestätigung zu inszenieren – wenn der richtige Gastgeber einlädt.

Wer beim nächsten Mal hingeht, sollte sich nicht wundern, wenn am Ende wieder „Viel Zuspruch für den NDR“ steht. Es ist halt ein Abend, an dem die Antwort auf jede Frage lautet: Ja. Besonders gerne. Sehr wichtig. Unverzichtbar. Nächster Punkt.

Foto: Harald Hoyer / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Quelle: NDR

Mehr zum Thema: Schweriner Staatstheater wird zur Bühne für Schröders Russland-Comeback — 550 Gäste schauten betroffen auf den Festakt

Mehr zum Thema: Beim CDU-Landesparteitag in Linstow leiht sich Merz Merkels altes »Wir schaffen das« — Schwerin klatscht artig, weil Klatschen billiger ist als Reformen

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.