Politik

Mountainbike statt Welterbe: CDU will Schwerin endlich auch einen Bikepark — Greifswald macht’s vor

Schwerin. Landeshauptstadt. Welterbe. Und bald auch Mountainbike-Mekka? Die CDU-Fraktion in der Stadtvertretung hat jetzt offiziell beantragt, was Greifswald längst hat: einen Dirt-Bike-Park für Mountainbiker und BMX-Fahrer. Konkret. Mit Schanzen. Mit Hindernissen. Mit dem Versprechen, dass die Stadt damit „familienfreundlicher“ werde.

Schwerin ist Welterbe-Stadt. Aber Welterbe kann man bekanntlich auch zerschreddern — und dafür braucht man ordentlich Schwung.

Greifswald macht’s vor. Schwerin macht’s nach.

Dass ausgerechnet die CDU auf das Mountainbike-Pferd aufspringt, ist an sich keine Überraschung. Die Fraktion, die in Berlin noch Tempo 130 fordert, will in Schwerin jetzt Schanzen bauen. Aber gut: Mountainbike-Politik ist immerhin eine Politik, die nicht sofort in Landeszuschüsse fließt, sondern — theoretisch — in Schotter.

In Greifswald läuft der Bikepark am Gorzberg seit Jahren. Die HSG Uni Greifswald und die Stadt haben dort einen Pachtvertrag ausgehandelt. Die Anlage wurde gebaut. Es fahren Leute drauf rum. Es passiert — nichts Schlimmes. Soweit die Erfolgsgeschichte aus Vorpommern.

Was Schwerin vom Greifswalder Vorbild unterscheidet? Vor allem die Frage, wo das Ding eigentlich hin soll. Die Innenstadt ist Welterbe, da geht nichts. Die Kaninchenwerder? Liegt im See. Der Schlossgarten? Macht Schwesig nicht mit. Bleibt also: Irgendwo am Stadtrand. Wo es keinen stört. Wo es vor allem niemanden interessiert.

Prioritäten, Prioritäten

Während die CDU also Mountainbikern eine Heimat bauen will, steht die Schelfkirche weiter unter Denkmalschutz und akut einsturzgefährdet. Das Staatstheater braucht eine Sanierung, die keiner bezahlen will. Die Schwimmhalle bleibt zu. Und das Welterbe-Prädikat wird regelmäßig von der UNESCO auf den Prüfstand gestellt, weil Schwerin es nicht schafft, seine Altstadt substanziell zu schützen.

Aber Mountainbiker — die brauchen einen Park. Logisch. Denn BMX-Fahrer sind die einzige Wählergruppe in Schwerin, die noch halbwegs fit ist und nicht vor 19 Uhr zu Hause auf der Couch sitzt. Die CDU weiß: Wenn man schon keine jungen Familien mehr in die Stadt lockt, dann wenigstens die, die noch Rad fahren können.

Ich find das gut. Endlich tut sich mal was in der Stadt. Auch wenn’s nicht das ist, was die meisten brauchen.

Was kostet der Spaß?

Über die Kosten schweigt der Antrag bisher. Erfahrungsgemäß reden CDU-Anträge nicht gern über Geld, wenn es um „familienfreundliche“ Infrastruktur geht. In Greifswald lag die Investition im niedrigen sechsstelligen Bereich — Fördermittel des Landes inklusive. Für Schwerin heißt das: Mindestens eine halbe Million Euro, die irgendwo her muss. Aus dem Stadtsäckel. Der bekanntlich so tief ist wie der Pfaffenteich im August.

Die Stadtverwaltung darf sich jetzt also zwischen Schelfkirche-Sanierung und Bikepark-Schotter entscheiden. Oder beides irgendwie gleichzeitig machen. In MV geht beides — irgendwann. Vielleicht. Mit ein bisschen Glück und einem neuen Fördertopf.

Fakt ist: In Schwerin werden seit Jahren die Probleme nicht gelöst, sie werden ausgesessen. Und jetzt soll ein Dirt-Bike-Park das Image aufpolieren. Mountainbiker als stille Welterbe-Helden. Wer hätte das gedacht.

Foto: Joey Cedé / Pexels

Quelle: Ostsee-Zeitung

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