Gesellschaft

Kaninchenwerder kriegt den dritten Pächter in sechs Jahren – diesmal mit 700.000 Euro Sanierung obendrauf

Kaninchenwerder kriegt den dritten Pächter in sechs Jahren – diesmal mit 700.000 Euro Sanierung obendrauf
Schwerin, die Landeshauptstadt mit dem Wasserblick und dem Dauer-Pächterkarussell auf der eigenen Insel, hat mal wieder einen neuen Betreiber für das Ausflugsrestaurant auf Kaninchenwerder gefunden. In zwei Wochen wird unterschrieben, sagt der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU). Sein erster Auftritt: das Insel- und Strandfest in Zippendorf. Die Stadt sagt „neuer Pächter“. Die Stadt meint: neuer Versuch.

Drei Pächter in sechs Jahren, ein Hafen für vier Millionen Euro saniert, ein Haus auf der Insel, das laut Stadtverwaltung „in einem schlechten Zustand“ ist, und ein Vorgänger, dem die Stadt am Ende 45.000 Euro zahlte, damit er die Insel bis Ende Februar überhaupt verlässt. Das ist die Bilanz einer kommunalen Gastro-Strategie, die man getrost als „fortgeschrittenes Lernverhalten“ bezeichnen könnte – wenn beim Lernen was rauskäme.

Von Mueß auf die Insel und zurück

Nottebaum spricht von „letzten Verhandlungen“. Unter „letzten Verhandlungen“ versteht die Schweriner Stadtpolitik offenbar das, was andere Städte in der Endphase einer Ausschreibung erledigen: klären, wer den maroden Bau überhaupt saniert, wer das Catering-Konzept bezahlt, und vor allem – wer am Ende den Schwarzen Peter hat, wenn die Gäste nach Zippendorf rüberschippern wollen und das Essen kalt ist.

Denn jetzt soll auch noch ein zusätzlicher Fährverkehr ab Mueß angeboten werden. Man stelle sich das vor: Eine Landeshauptstadt, die ihren See nicht leise, sondern mit einer neuen Fährlinie ins Bewusstsein der Bevölkerung bringt. Man könnte auch sagen: Die Stadt erfindet den Personennahverkehr über Wasser, weil der an Land nicht hinkriegbar ist. Vielleicht ist das die ehrlichste Schweriner Verkehrswende, die je geplant wurde.

700.000 Euro für ein marodes Haus

Bevor der neue Pächter überhaupt aufmachen kann, fließen rund 700.000 Euro an Fördermitteln in die Sanierung des Gebäudes. Die Stadt nennt das „in einen schlechten Zustand“. Wer schon mal mit dem Schiff an Kaninchenwerder vorbeigefahren ist, weiß: Das ist die Schweriner Version einer Hotelbewertung. In Mecklenburg-Vorpommern würde sogar ein Schaf im Stall sagen: „Dat is jetz nich mehr tau redden.“ Aber für 700.000 Euro kriegt man das schon hin. Hoffentlich. (schwerin)

„Ich geh da jetzt erstmal nur mit Badeschuhen hin. Wenn die nach dem dritten Pächter nochmal Geld in die Hand nehmen, wird das hier mein Ferienhaus.“

Anonyme Schwerinerin auf Nachfrage am Pfaffenteich

Auch über eine Anpassung der Hafennutzungsgebühren wird nachgedacht. Das klingt vernünftig – solange man nicht bedenkt, dass dieselbe Stadtverwaltung dieselbe Hafeninfrastruktur in den vergangenen Jahren erst für vier Millionen Euro neu gebaut hat, ohne dass am Ende ein Pächter übrig war, der davon profitieren konnte. Man könnte sagen: Die Stadt investiert gerne. Die Frage ist nur, in wen.

Kaninchenwerder bleibt damit das, was es seit Jahren ist: die schönste Bühne der Stadt, auf der die Schweriner Verwaltung ihre Lieblingsdisziplin aufführt – Anlauf nehmen, Geld reinstecken, aufgeben, neu ausschreiben, Fördermittel beantragen, Fördermittel bekommen, nochmal von vorn. Einziger Trost: Der Aussichtsturm steht noch. Auf den ist bisher keiner draufgefallen.

Bildnachweis: Dellex / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

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Quelle: SVZ (Hinweis: Original-URL nicht in DB, Quelle manuell verifizieren)

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