Infrastruktur

Italo-Einstieg bedroht Schwerins ICE-Anschluss – EVG warnt vor Abkopplung

Willkommen in unserer geliebten Landeshauptstadt. Wo man sich schon heute Sorgen machen darf, dass der ICE 2028 einfach nicht mehr kommt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG warnt: Wenn der italienische Privatzug Italo wie geplant in den deutschen Markt einsteigt, drohen mindestens 16 Städte vom Fernverkehr abgekoppelt zu werden. Schwerin steht auf dieser Liste. Mit aktuell zehn haltenden Fernzügen pro Tag. Klingt viel, ist aber ausbaufähig – oder eben bald gar nicht mehr da.

Rosinenpickerei auf Italienisch

Italo plant ab 2028 mit 30 Zügen in Deutschland zu starten – und zwar ausgerechnet auf den hochprofitablen Strecken München-Dortmund und München-Hamburg. Genau die Strecken, auf denen die Deutsche Bahn heute ihre wenigen schwarzen Zahlen im Fernverkehr schreibt. Das Problem: Wenn die profitablen Strecken wegbrechen, fehlt das Geld, um die unprofitablen zu quersubventionieren. Sprich: Die kleinen Städte hängen in der Luft. Oder am Regionalexpress. Was davon schlimmer ist, darf jeder selbst entscheiden.

„Wer auf den Hauptstrecken ordentlich Kasse machen will, darf sich nicht zu fein sein, um Städte wie Schwerin, Augsburg oder Jena anzufahren.“

Martin Burkert, EVG-Vorsitzender

Landeshauptstadt ohne ICE – wann eigentlich?

Die EVG fordert vom Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sogenannte „Paketlösungen“ bei der Streckenzuteilung. Wer die Hauptstrecken will, muss auch die Provinz bedienen. Logisch. Aber bekanntlich ist die Realität der deutschen Bahnpolitik eine andere: Seit Jahrzehnten wird der Fernverkehr in der Fläche ausgedünnt, während in den Hauptstädten alle halbe Stunde ein ICE abfährt.

Für Schwerin bedeutet das: Während die Hamburg-Berlin-Strecke gerade mit großem Tamtam wiedereröffnet wurde, könnte die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns in zwei Jahren vom Fernverkehr abgekoppelt werden. Rostock steht übrigens auch auf der Liste – dann wären beide großen Städte im Nordosten vom schnellen Zug abgeschnitten. Herzlichen Glückwunsch an die Verkehrspolitik in einem Bundesland, das sich selbst gern als Logistikstandort feiert. (infrastruktur)

Willkommen in Schwerin. Wo man sich über jeden ICE freut, der noch hält – und gleichzeitig ahnt, dass es nicht mehr lange so bleibt. Während die Schweiz ihre Bahnhöfe vergoldet und Österreich die Weststrecke ausbaut, reden wir in Mecklenburg über die Frage, ob 2028 überhaupt noch ein ICE nach Schwerin fährt. So sieht Infrastrukturpolitik für die Peripherie aus. Wenn überhaupt.

Foto: Sebastian Terfloth / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Quelle: Merkur

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